Am Ende seines ersten Halbjahres in Bonn ist der CDU-Vorsitzende Kohl mit seinem Vorhaben gescheitert, die FDP zur Union herüberzuziehen. Strauß gibt nun Gegendampf. Die Kampfparole des hessischen CDU-Vorsitzenden Dregger lautet: ‚Es gibt keinen Ersatz für Sieg“

ZEIT: Herr Dregger, wurde die Glaubwürdigkeit der Union durch das Abstimmungsverhalten der christlich-demokratischen Ministerpräsidenten Niedersachsens und des Saarlandes im Bundesrat beeinträchtigt?

Dregger: Die Tatsache, daß die Landesregierungen Niedersachsens und des Saarlandes dem sogenannten Kostendämpfungsgesetz zugestimmt haben, obwohl dieses Gesetz von den Unionsparteien und ihrer gemeinsamen Fraktion im Bundestag abgelehnt wurde und obwohl Ministerpräsident Albrecht noch in der Debatte des Bundesrats erklärt hatte, dieses Gesetz, sei schon im Ansatz verfehlt, hat natürlich in der Öffentlichkeit Enttäuschung und Unbehagen ausgelöst.

ZEIT: Glauben Sie, daß man bei den Verhandlungen hätte mehr herausholen können?

Dregger: Der FDP-Vorsitzende Genscher hat die niedersächsische Landesregierung mit der Drohung unter Druck gesetzt, er werde seine Parteifreunde in Niedersachsen veranlassen, die Landeskoalition in Hannover zu verlassen, wenn die Landesregierung im Bundesrat nicht so abstimme, wie die Koalition von SPD und FDP in Bonn es wolle. Damit stand die Landesregierung vor der Frage, ob sie sich diesem Druck beugen solle oder nicht.

ZEIT: Eine Güterabwägung?

Dregger: Ja, wenn Herr Albrecht hart geblieben wäre, dann hätte die FDP vor der Alternative gestanden, tatsächlich aus der Regierung auszuscheiden oder der Einleitung eines neuen Vermittlungsverfahrens zuzustimmen, wie es von der Union zur Verbesserung des Gesetzes vorgesehen war. Wäre die FDP aus dem Kabinett in Hannover ausgeschieden, wäre Herr Albrecht im Amt geblieben; er hätte die frei gewordenen Positionen mit Ministern der CDU besetzen und mit einem Minderheitskabinett bis zur Landtagsneuwahl weiterregieren können, die ja schon im nächsten Jahr stattfindet.