42 Böllerschüsse, wenn’s ein Junge wird

Bub oder Mädel – das spielt doch keine Rolle“, soll Königin Silvia den Klatschtanten der Wochenpresse, die sich seit Monaten mit ihrer bevorstehenden Niederkunft beschäftigen, anvertraut haben. Als hätte man etwas anderes von ihr erwartet!

Für Schweden ist das aber doch eine hochpolitische Schicksalsfrage. Es geht ja schließlich um den gesicherten Fortbestand der Monarchie,’ den auf Grund der gegenwärtigen Verfassung nur ein Kronprinz garantieren kann. Manche Schweden erinnern sich noch der großen Aufregung, als vor 31 Jahren nach vier Prinzessinnen die schließliche Ankunft des Thronerben begrüßt wurde, der nunmehr tatsächlich als Carl XVI. Gustaf im Königsschloß residiert.

Gegenwärtig untersucht eine parlamentarische Kommission die Voraussetzungen für eine Verfassungsänderung zugunsten der weiblichen Thronfolge. Käme jedoch dieser Vorschlag bereits heute zur Abstimmung, würde er vermutlich von einer Reichstagsmehrheit abgelehnt werden. Die Politiker wagen es wohl nicht, die anachronistische Monarchie gänzlich abzuschaffen, wollen sie aber auch nicht stärken. „Gleichberechtigung – schön und gut“ wurde dieser Tage in einer Landtagsdebatte erklärt. „Hier geht es aber um die weibliche Thronfolge, also um eine Erweiterung der Monarchie. Und die wollen wir nicht.“

Wie ein Volksentscheid im Zeichen der herrschenden Stimmung ausgehen würde, bleibe freilich dahingestellt. Silvia Sommerlath aus Heidelberg und der junge König sind in weiten Kreisen des schwedischen Volkes zweifelsohne sehr beliebt. Warum auch nicht? Sie ist ja hübsch, lieb, freundlich, intelligent und, hat in den ersten Jahren ihrer Königinwürde alle repräsentativen Pflichten vorbildlich erfüllt und sich auch keinen einzigen Fehltritt gegen die Hofetikette und die demokratischen Spielregeln zuschulden kommen lassen.

Pochende Herzen?

Die schwedischen Zeitungen berichten ironisch vom „Silvia-Taumel“ der deutschen Regenbogenpresse. Die schwedischen Wochenblätter stehen aber den deutschen kaum nach. Seit Monaten melden sie alle Einzelheiten über die Vorbereitungen für das königliche Wochenbett, raten, ob es nun ein. Sohn, eine Tochter oder gar Zwillinge sein werden. In der Rubrik „Die letzten Mamma-Neuigkeiten direkt vom Schloß“ erfuhr man unter faustdicken Schlagzeilen, daß Silvia ihre Diät verändert habe, von Kaffee nach dem Essen auf Tee übergegangen sei, Babykleider näht und strickt, Müttergymnastik betreibt und ihr Kind selbst stillen wird, die Ärzte sich auch auf einen Kaiserschnitt vorbereiten – als wäre all das etwas Ungewöhnliches, nur weil es eben im Königsschloß vor sich geht.