Fritz J. Raddatz: „Karl Marx – Der Mensch und seine Lehre“. Der Versuch einer Biographie, die gleich weit entfernt vom „Marx-Pfaffentum“ (Franz Mehring) wie von Verteufelung ist, Konterfei eines zutiefst widersprüchlichen und gefährdeten Menschen. Mut wie Hochmut, geistige Überlegenheit wie herrscherliche Diktatorenallüren prägen Charakter und Werk des Karl Marx. Diese Biographie will eine radikale Frage stellen: Birgt der Versuch, Menschen zu erlösen und zu führen, nicht die Gefahr, Menschen zu dirigieren und zu brechen? Birgt der Entwurf einer Utopie gleichzeitig die Gefahr des Irrwegs zur Illusion? Das Buch will ein Porträt entwerfen, wie es Brecht einmal skizziert hat: weder prächtiger Kerl noch wackerer Kumpan noch Kämpfernatur, nicht Löwenbrust noch Löwenmähne, in seinen Finanzbeschaffungsoperationen von der Energie eines kleinen, immerfort bankrotten Fürstentums, ohne Miniaturbarrikade als Schreibtisch, kein Preisringer, kein Maulheld und kein Jupiter tonans. (Heyne Biographien 980, Wilhelm Heyne Verlag München, 1977; 464 S., 9,80 DM)