Annemarie Renger, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, hat eine wichtige Dokumentation herausgegeben. „Gleiche Chancen für Frauen?“ ist ihr Titel, und sie enthält Briefe von Arbeitnehmerinnen, in denen diese ihre Benachteiligung im Berufsleben schildern. Alle diese Fälle sind eklatante Verstößegegen Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes, der die Gleichberechtigung von Männern und Frauen postuliert. Einige Beispiele:

„Ich bin 51 Jahre alt und Buffetdame in einem Kaufhaus-Restaurant. Verdiene monatlich 1081 Mark brutto. Mein Kollege verdient bei gleicher Arbeit, gleicher Arbeitszeit etwa 1450 Mark.“

„Bei uns besteht folgende Urlaubsgeldregelung: Ledige 105 Mark, verheiratete Männer 180 Mark, verheiratete Frauen 105 Mark.“

„Meine Bitte, einen Fachlehrgang für angehende Führungskräfte zu besuchen, wurde mir mit der Begründung abgelehnt, daß man nicht daran interessiert sei, Frauen teilnehmen zu lassen.“

„Die zahlreichen Bewerber um Einstellung als Bundesbahnassistentenanwärter sollen wie folgt behandelt werden: Bewerber, die mit folgenden Zeugnissen auftreten in – den Fächern Deutsch, Mathematik, Erdkunde und eine jeweils schlechtere Noten haben als – bei männlichen Bewerbern 3, 3, 4, bei weiblichen Bewerbern 2, 3, 3 – erhalten einen ablehnenden Bescheid...“

Eine Arbeitskräfte-Agentur wirbt: „Die Kosten für unsere Arbeitskräfte belaufen sich auf 10,27 für Männer und 8,85 für Frauen.“

Einige Frauen haben sich hilfesuchend an Gewerkschaft oder Betriebsrat gewandt – vergeblich. „Mann“ meinte, die männlichen Kollegen hätten schließlich eine Familie zu ernähren und daher mehr zu verdienen!