Arbeitslose – gibt es die eigentlich? So ist man versucht zu fragen, wenn man die Meldungen der letzten Wochen liest.

Da klagen die Betonbau-Unternehmer in Schleswig-Holstein, daß sie keine Arbeitskräfte bekommen, weder Facharbeiter noch Hilfskräfte.

Da wird in Bayern die Klage laut, daß die Arbeitsämter weder in den Städten noch auf dem flachen Lande die benötigten Arbeitskräfte vermitteln können.

Da erklärt der Ford-Chef Weiher, daß er bis zum Jahresende 2500 Arbeitskräfte einstellen wolle, aber befürchte, diese nicht zu bekommen – während gleichzeitig in Köln rund 20 000 Arbeitslose registriert sind.

Anfang Juli teilt Josef Stingl, der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, das Ergebnis der Arbeitslosen-Zählung vom Juni mit: 931 000 Arbeitslose, 10 000 mehr als vor einem Jahr.

Nach den neuesten Prognosen ist damit zu rechnen, daß es im Winter weit über eine Million – manche Fachleute befürchten 1,5 Millionen – Arbeitslose geben wird.

Die Statistik der Bundesanstalt stimmt, daran sollte kein Zweifel bestehen. Aber die Klagen der Unternehmen sind ebenso echt. Der Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik ist ein einziger Widerspruch in sich.