Von Rainer Frenkel

Seit Jahren schreie ich nach einer Dame.“ Der Mann, der seine Nöte solchermaßen plakatiert, heißt Ewald Schmidt di Simoni. Er ist Vorsitzender der Gesellschaft für Wertpapierinteressen.

Den sehnsuchtsvollen Ruf stößt er auf der Daimler-Benz-Hauptversammlung aus. Und damit jeder die Scherzhaftigkeit der Formulierung auch entdecke, fügt er an, er meine dies nicht privat, da sei er „gut versorgt“. Vielmehr wünsche er, daß endlich in den Daimler-Aufsichtsrat eine Frau einziehe. Ein Wunsch, dessen Dringlichkeit sich ohne Zweifel von allein erklärt.

Szenenwechsel: Hauptversammlung der VW-Aktionäre in Wolfsburg. Else Bäuermann spricht, Niedersächsin von Geblüt, Gemüt und Bekenntnis: „Wenn die Flüchtlinge zu unseren Richtern werden, dann ist das nicht mehr unser Recht. ... Wenn so viele Menschen aus Berlin – das ist ja nicht mehr unsere Hauptstadt – und als Flüchtlinge in den (VW-)Aufsichtsrat kommen, dann habe ich Angst vor der Zukunft.“ Man solle sich doch „auf die Menschen verlassen, die hier dieses kleine Ländchen (Niedersachsen) verteidigen.“ Wohlan, die Frau stammt „aus einer alten Gärnterfamilie“, sie kennt ihren „Boden“.

Kein Klischee ist zu billig

Und nun nach München, da tagen die BMW-Eigner. Herbert Quandt also – und auch noch andere. Einer der anderen, der Aktionär Linke, faßt sich, wiewohl er „ja nun kein Redner“ ist, doch ein Herz. Es ist ein freundliches, ein volles Herz, und kurz bevor es leer ist, sagt Herr Linke noch: „Im großen und ganzen meine Herren, die Herren Doktoren und Professoren, die hier sprechen, die haben mehr Talent. Mehr wie ich. Ich möchte Sie ungern lange aufhalten. Draußen steht alles bereit... BMW ist ein guter Gastgeber. Bei VW, da gibt’s nur Würstchen, da sind 51 Prozent Wasser drin.“

Herrn Linke ist in allen Punkten zuzustimmen. Das beträchtliche Angebot an kulinarischen Genüssen wird noch während der Versammlung dankbar ausgedünnt; allein, daß im eigens vor dem Verwaltungsgebäude errichteten Biergarten das Produkt nur einer hier sicher nicht genannt sein wollenden Brauerei zur Verfügung steht, wird moniert. Laut Volkes Meinung ist zumindest nicht unumstritten, daß es sich da um das beste aller Münchner Biere handelt. Daß es sich aber durchaus trinken läßt, ist nicht zu übersehen. Jedenfalls nutzt so mancher Aktionär die Chance, seine Dividende auf dem Naturalwege kräftig aufzustocken.