Als die CDU/CSU nach den letzten Bundestagswahlen stärkste Bundestagsfraktion wurde und ihr damit nach ungeschriebenem Gesetz wieder der Präsident des Bundestags zustand, gelobte der dann gewählte Karl Carstens dem Bundeshauspersonal, er werde die Grundsätze von Recht und Gesetz, Fürsorge und Loyalität gegenüber jedermann mit Strenge wahren.

Aber Worte wiegen wenig, wenn erst einmal Taten folgen sollen. So stört den neuen für Personaleinstellung zuständigen Hausherrn Carstens die angespannte Finanzlage insbesondere im Personalbereich offenbar nicht sonderlich. Das Personal im Sekretariat der Enquete-Kommission „Frau und Gesellschaft“ soll verdoppelt werden, obwohl es bisher mit einer Mitarbeiterin nicht nur gut über die Runden gekommen ist, sondern auch noch allseits anerkannte qualifizierte Arbeit geleistet hat. Für eine zweite Kraft besteht mithin kein echter Bedarf.

Aber da offensichtlich ein Arbeitsplatzbedarf für eine nahe Verwandte des CDU-Bundestagsabgeordneten Carl Otto Lenz besteht, wird die Enquete-Kommission um eine weitere Mitarbeiterin namens Marlene Lenz bereichert werden.

Die Lenz-Schwester Marlene ist freilich beruflich für den Job qualifiziert. Sie war zehn Jahre lang Frauenreferentin der CDU, danach im CDU-Büro für auswärtige Beziehungen und hat bisher schon der CDU-Abgeordneten Ursula Schleicher bei der Enquete-Kommission assistiert, an der sie einen wesentlichen Anteil hat.

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Während die Sozialdemokraten in den letzten Jahren immer mehr parteieigene Unternehmen eingestellt haben, sind die Christdemokraten mit ihren kommerziellen Wirtschaftsbetrieben offenbar auf Expansionskurs. Die CDU-Mehrheit des Bonner Stadtrates hat dieser Tage das Bonner Renommier-Restaurant „Beethovenhalle“ an die der CDU gehörende Neue Casino Gesellschaft verpachtet.

Die Gesellschaft betreibt bereits den Restaurationsbetrieb im CDU-eigenen Konrad Adenauer-Haus (Sitz der Parteizentrale) und ist auch noch an „Ratsstuben“ in einer Gemeinde Vor den Toren Bonns engagiert.