Bei den Bemühungen, das Augenmerk der Bonner Politik stärker als bisher auf Probleme des Tourismus zu lenken, spielt die FDP eine wichtige Rolle. Bundeswirtschaftsminister Friderichs (FDP) berief in diesen Tagen einen „Beirat für Fragen des Tourismus“, die, Arbeitsgruppe Tourismus der, FDP-Bundestagsfraktion nahm kürzlich ihre Arbeit auf.

Der Tourismus soll nicht länger Stiefkind der Bonner Politik sein. Seit das Bundeswirtschaftsministerium federführend für Fragen des Fremdenverkehrs ist, entwickelt das Haus in der Duisdorfer Villemombler Straße eine beachtliche Aktivität. Zusammen mit einer Bestandsaufnahme aller wichtigen touristischen Probleme (von der Ferienordnung bis zur Umweltverschmutzung) erarbeitete das Wirtschaftsministerium eine fremdenverkehrspolitische Konzeption, die schließlich auch vom Bundeskabinett verabschiedet wurde.

Dem Papier folgten alsbald erste Taten: Man begann ein Instrumentarium zu entwickeln, um genauere Daten über den Tourismus in Deutschland zu gewinnen. Solange niemand genau weiß, wie sich die Urlauberströme in der Bundesrepublik bewegen, wie sich Kurzreisen, Wochenend- und Ausflugstourismus zueinander verhalten, so lange können beispielsweise regionale Strukturpolitik (Wirtschaftsförderung in unterentwickelten Gebieten) und Fremdenverkehrspolitik (Bewahrung noch vorhandener Erholungslandschaften) kaum in Einklang gebracht werden.

Auch über den Zustand des deutschen Fremdenverkehrsgewerbes, das überwiegend aus mittelständischen Betrieben besteht, wird in erster Linie spekuliert, verläßliche Informationen sind rar. Nicht viel anders verhält es sich mit den Urlaubsmotiven der Bundesbürger oder mit den Ziel Vorstellungen, die Ausländer als Touristen zu uns kommen lassen.

Mehr als 1,5 Millionen Beschäftigte sind in der weißen Industrie tätig, Grund genug, rechtzeitig die Weichen für eine gesunde Entwicklung zu stellen. So wurden bereits die Mittel für die Deutsche Zentrale für Tourismus, die in aller Welt für Reisen nach Deutschland wirbt, beträchtlich erhöht, und in diesen Tagen konstituierte sich in Bonn der „Beirat für Fragen des Tourismus beim Bundesminister für Wirtschaft“. Seine dreißig Mitglieder aus allen Bereichen des Tourismus sollen den Minister in Zukunft in Fragen der Tourismuspolitik beraten und durch gutachtliche Stellungnahmen unterstützen. (Der Ressortleiter für Reise und Verkehr der ZEIT gehört diesem Gremium ebenfalls an.) Zu den Themen, mit denen sich der Beirat auf seiner ersten Arbeitssitzung beschäftigen wird, gehören unter anderem die Regelung der „kleinen“ Ferien (also vom Herbst bis einschließlich Pfingsten) und der Kurorttourismus.

Auch in den Bundestagsfraktionen regt sich zunehmend Interesse für den Tourismus. Schon am Ende der letzten Legislaturperiode bildeten sich in allen Fraktionen touristische Arbeitsgruppen. In der SPD behielt der Abgeordnete Horst Haase den Vorsitz des Arbeitskreises (siehe auch ZEIT Nr. 49/75 „SPD entdeckt den Tourismus“), bei den Freien Demokraten leistet jetzt Joachim Angermeyer die Arbeitsgruppe Tourismus.

Die FDP-Parlamentarier wollen sich besonders intensiv um das zur Beratung anstehende Gesetz über einen verbesserten Schutz bei Pauschalreisen kümmern. Ein erstes Gespräch mit Spitzenvertretern der führenden deutschen Reiseveranstalter machte deutlich, daß in der FDP nur eine geringe Neigung für eine gesetzliche Regelung des Verbraucherschutzes bei Pauschalreisen besteht. Offenbar setzen die Parlamentarier der FDP, ähnlich wie der Wirtschaftsminister, auf die Vernunft der Reiseveranstalter, und hoffen, daß diese dafür Sorge tragen, daß erstens in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen letzte Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt werden (beispielsweise die Höhe der Haftungssummen bei Minderleistungen und Fristen und Gebühren im Falle eines Reiserücktritts) und zweitens die Branche dafür sorgt, daß diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch von allen Firmen, Mitgliedern des Deutschen Reisebüro-Verbandes wie Nichtmitgliedern, angewandt werden. Die FDP schlug in diesem Zusammenhang ein Gütesiegel vor, das alle Veranstalter auf ihren Katalogen und Werbemitteln führen dürfen, die sich zur Einhaltung der neuen, verbesserten Allgemeinen Geschäftsbedingungen verpflichten. Ferdinand Ranft

(Über den touristischen Arbeitskreis der CDU/CSU-Bundestagsfraktion folgt ein weiterer Bericht.)