Hervorragend

Milva: „Auf den Flügeln bunter Träume“. Von Lied zu Lied schwindet die Skepsis und wächst die Überraschung. über die unerwartete Identität von Person und musikalischem Sujet Erinnerungen an Zarah oder Marlene blitzen nur ganz kurz auf, weil die Schauspieler-Sängerin Milva die immergrünen alten deutschen Chansons von 1930 bis 1940 (und von 1951) ganz auf ihre Weise singt: selbstbewußt, aber ehrerbietig; klar und (trotz mangelnder Sprachkenntnis) in bemerkenswert akzentarmem Deutsch; ausdrucksvoll, zugleich aber mit überlegener Gelassenheit und ohne jede Spur von Überdramatik. Ihr hilft dabei ein überlegtes Arrangement. Auf dem Programm stehen Lieder wie „Ich steh’ im Regen“, „Tango Notturno“ und „Liebe ist ein Geheimnis“, „Lili Marken“, „Sing, Nachtigall, sing“ und „Auch du wirst mich einmal betrügen“. (Metronome 60.037; MC 660.037) Manfred Sack

Georg Antheil: „Ballet mécanique/Jazz Symphony/Violinsonaten Nr. 1 + 2“. Seiner Autobiographie gab der Komponist den Titel „Bad boy of Musie“ – in den zwanziger Jahren schockierte er als wilder Neutöner aus den USA die Pariser Salons wie die Berliner Kunstszene mit Studien wie „Aeroplane-Sonata“ oder einem „Ballet mécanique“. Abstraktes also. Daß das alles heute zahm geworden ist wie Strawinskys „Sacre“ oder Stockhausens „Gesang der Jünglinge im Feuerofen“, verwundert nicht. Erstaunlich bleibt, daß da immer noch ein oppositioneller drive zu hören ist, den man manch einem Schein-Avantgardisten von heute wünschte. Skandale? Damals ja, heute, im nachhinein genießt man das Gegen-den-Strich-Spiel. Hervorragende Interpreten. (Vera Beths, Violine; Reinbert de Leeuw, Klavier; Niederländisches Bläser-Ensemble, Leitung: Reinbek de Leeuw; Telefunken 6.42196 AW)

Heinz Josef Herbort