Von Gabriele Venzky

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das eine Binsenwahrheit in lakonischer Kürze festhält: Zwei Flüsse kreuzen sich nicht. Doch derart Unmögliches versucht Bonn seit Jahren ausgerechnet auf dem Kontinent zustandezubringen, von dem, das Sprichwort stammt. Die Afrika-Politik der Bundesrepublik bewegt sich auf Zickzackkurs, ein Ziel ist. kaum auszumachen. Sie ist widersprüchlich und doppeldeutig. Vor allem aber hat sich Bonn um die Gretchenfrage gedrückt, die da lautet: Wie hältst du es mit Südafrika und den Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika? Ohne eine klare Stellungnahme zu beiden Fragen ist Afrika-Politik heute aber nicht mehr möglich.

Jahrelang hatte die Bundesrepublik den schwarzen Kontinent ignoriert und sich dann, seit 1968, hinter Willy Brandts unglücklichen Ausspruch versteckt: "Wir haben seit langem die Erfahrung gewonnen, daß man Handel und Politik nicht ohne Not koppeln soll." Für jeden, der es so wollte, war dies der Freibrief dafür, die engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Südafrika und die Unterstützung der weißen Minderheit als die eine Seite der Medaille darzustellen, die Beziehungen zu Schwarzafrika als die andere, die damit nichts zu tun habe.

So war denn auch die Verwunderung groß, als die schwarzen Afrikaner sich zur Wehr setzten, als sie die Bundesrepublik nur mit der knappsten Stimmenzahl in den UN-Sicherheitsrat einziehen ließen, als sie die Westdeutschen auf der letzten Gipfelkonferenz der Organisation für Afrikanische Einheit als Kollaborateure mit den weißen Südafrikanern verurteilten und dies in der vergangenen Woche auf der diesjährigen Konferenz wiederholten.

Wie kommt es, daß die in Libreville versammelten Staatschefs dem deutschen Anti-Apartheid-Komitee und seinen Thesen von einer angeblichen militärischen und nuklearen Zusammenarbeit zwischen Pretoria und Bonn mehr Glauben schenkten als den zum Gegenbeweis vorgelegten Memoranden der Diplomaten vom Rhein? Hatte sich Bonn denn seit dem vergangenen Jahr nicht genügend für die Sache der Schwarzafrikaner stark gemacht?

Vor der UN-Vollversammlung hatte Außenminister Genscher im September 1976 festgestellt: "Es gibt auf dieser Welt keinen Platz mehr für Rassismus und Kolonialismus." Seinem sambischen Kollegen Mwale sagte er im November, die deutsche Regierung trete dafür ein, in Afrika "eine neue Gesellschaft zu schaffen, eine neue Gesellschaft gleichberechtigter schwarzer und weißer Afrikaner... In dem Streben nach Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit können die Afrikaner mit der vollen Unterstützung der Bundesregierung rechnen."

Beim Besuch des ghanaischen Außenministers Ende Mai klang es ähnlich: "Im südlichen Afrika kann für Rassismsus und Apartheid kein Platz mehr sein. Wir setzen uns daher für eine rasche Verwirklichung der Mehrheitsherrschaft in Rhodesien, für eine baldige Entlassung Namibias in die Unabhängigkeit und für die Abschaffung der Apartheid in Südafrika ein. Nach unserer Überzeugung ist der notwendige Wandel im südlichen Afrika jedoch nur auf friedlichem Wege zu erreichen. Die Alternative wäre Chaos oder Elend."