Der Streit um den Göttinger Buback-Nachruf: Wie weit darf Gedankenfreiheit gehen?

Von Karl-Heinz Janßen

Die Gedanken sind frei/wer kann sie erraten?" Hätte eingedenkdieses alten Volksliedes jener unbekannte Göttinger "Mescalero" seine "klammheimliche Freude" über die Ermordung (oder, wie er es nennt, den "Abschuß") des Generalbundesanwalts Buback für sich behalten wären der westdeutschen Hochschullandschaft in diesem Sommer etliche Konflikte erspart geblieben.

Was in der verträumten Leinestadt, an deren akademischen Philistern schon Heinrich Heine seine Spottfeder rieb, im Frühjahr wie eine Lokalposse begann, hat sich mittlerweile an manchen Hochschulen zu einer Konfrontation zwischen Staat und Studentenschaft und neuerlich in Berlin zur offenen Auseinandersetzung zwischen Staat und Professoren ausgeweitet. Es hagelte Strafanträge – wegen der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, wegen der Billigung von Straftaten, wegen Volksverhetzung; in Göttingen und auch in Hamburg kam es zu Polizeiaktionen, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmen; Staatsanwälte und Richter werden auf Wochen zu tun haben, so daß man sich heute schon ausrechnen kann, wie es im Winter-Semester auf dem Campus zugehen wird, wenn die ersten Verfahren anhängen.

Bei alledem sind die Mescaleros, ein in Neu-Mexico ansässiger Indianerstamm der Apachen, in den Geruch gekommen, besonders gewalttätig zu sein. Doch zählen die Experten diesen Stamm zu den eher unkriegerischen Rothäuten. Wie alle Apachen ermangeln sie einer straffen Stammesorganisation; sie ziehen das Leben in der Kleinstgruppe vor.

Ähnlich sind auch die "weißen Indianer" an der Göttinger Universität, die zuweilen gern im Indianer-Ornat auftreten, ein Grüppchen undogmatischer, ja nahezu anarchistischer Studenten, die sich mit anderen Sekten und Spontis zur "Bewegung Undogmatischer Frühling" zusammengeschlossen haben. Diese "Buf" wiederum koaliert mit der ultralinken "Sozialistischen Bündnisliste"; gemeinsam beherrschen sie den Göttinger Allgemeinen Studentenausschuß.

Presse als Büttel des Staates?