Gruppenbild nach 30 Jahren (III)

Von Rudolf Walter Leonhardt

Wie war mit Gruppe es vordem im Feuilleton doch so bequem. Literatur stellte sich selber dar. Sie wurde angefeindet und verteidigt. Und die Verteidiger (Höllerer, Jens, Kaiser, Mayer, Reich-Ranicki) waren meistens besser als die Angreifer (Krämer-Badoni, Mampell, Neumann, Nossack, Sieburg): Sie hatten Heimvorteil gewissermaßen, spielten auf eigenem Platz. Sie wußten; die anderen waren auf Mutmaßungen angewiesen.

Friedrich Sieburg (FAZ, 1. Dezember 1962):

"Wohin kämen wir, in welche Stickluft gerieten wir, wenn sich nicht endlich einmal jemand fände, der die Leistungen der Martin Walser, der Günter Grass, der Uwe Johnson, der Ingeborg Bachmann, der Heinrich Böll schonungslos durchleuchtete? Einige von ihnen ertragen diese Durchleuchtung mühelos, ja sie gewinnen dabei. Andere fallen in das Nichts zurück, aus dem die Dreistigkeit der Manager und die feige Urteilslosigkeit des Publikums sie gehoben hat."

Aber wer sind die "einigen" und wer die "anderen"? Darauf käme es doch an, wenn die Polemik nicht verpuffen soll, ohne irgend jemanden zu treffen. Immer diese Ungewißheit!

Der Feuilletonist brauchte damals, bis 1967, nur noch zu beschreiben, was er selber sehen oder von allen Rundfunkstationen hören konnte.