Im Bundestagswahlkampf war schon zu verspüren, was nun vor aller Welt offenkundig geworden: der Zwist zwischen dem Riesen China und dem von ihm behüteten Zwerg Albanien. Denn eine der drei maoistischen Gruppen, die sogenannte KPD/ML, pries als Paradies der Menschheit nicht mehr das Reich der Mitte, sondem das Land der Skipetaren. Enver Hoxha, jener Parteichef, der Stalin die Treue gehalten, sich Tito und Chruschtschow vom Leibe gehalten und unter den Fittichen des weisen Mao das bizarre Sonderdasein seines Balkanstaates durch die Zeiten gerettet hat, fordert ein Jahr nach Maos Abtritt von der politischen Bühne den chinesischen Verbündeten heraus.

Um der Reinheit der marxistisch-leninistischen Lehre willen hat er die sogenannte „Drei-Welten-Theorie“, das Grundmuster chinesischer Außenpolitik, als opportunistisch verdammte Die neuen Machthaber in Peking werden beschuldigt, durch ihre Beziehungen zu Ölpotentaten und faschistischen Diktatoren, aber auch zu Amerika das Weltproletariat zu betrügen. Vielleicht resultiert ideologische Kehrtwendung aus innerparteilichen Fraktionskämpfen. Auf jeden Fall hat der Weltkommunismus eine neue Variante: den Euro-Maoismus – Albanien als letzter Hort der „Vierer-Bande“. kj