Sehenswert

„Dark Passage“ von Delmer Daves. Der Humphrey-Bogart-Film aus dem Jahre 1947 startete vor 27 Jahren als „Die schwarze Natter“ in deutschen Kinos. Im dritten Film des Teams Bogart-Lauren Bacall spielt Bogart einen wegen Mordes an seiner Ehefrau Verurteilten, der aus dem Gefängnis flieht und bei Bacall Unterschlupf findet. Der Film aus Hollywoods „Schwarzer Serie.“ wurde durch seine ungewöhnliche Kameraarbeit berühmt. Wie schon ein Jahr zuvor Robert Montgomery in „Lady in the Lake“ benutzt auch Daves exzessiv die subjektive Kamera. Das erste Drittel des Films erlebt der Zuschauer mit den Augen Bogarts, dessen Stimme im Off durch die Geschichte führt. So ist es besonders erfreulich, daß in der Wiederaufführung „Dark Passage“ im Original mit Untertiteln läuft und Bogarts Stimme erhalten bleibt. Daves gelingt es, aus einer eher unglaubwürdigen Handlung mit straffer Regie und einer Fülle interessanter Charaktere einen atmosphärischen Krimi zu inszenieren.

Bodo Fründt

Mittelmäßig

„The Rocky Horror Picture Show“ von Jim Sharman. Die erste Freude, daß hier endlich einmal wieder ein Film in der Originalfassung unsere Kinos erreicht, vergeht schnell: Die Filmfassung des erfolgreichen Londoner Musicals enttäuscht. Die „Rocky Horror Picture Show“, getreu ihrem Titel eine verrückte Mischung aus Horror-Story, Rock-Musical und einer Fülle von Film-Zitaten, löst keine der drei Versprechungen ein: als Musical ist die Show eher lahm, die Parodie auf den Kino-Horror kommt über einige gängige Grundmuster nicht hinaus, und jeden Film, an den erinnert wird, möchte man eher ein zweites Mal sehen, als hier die Erlebnisse eines unbedarften Pärchens in einem Spukschloß zu verfolgen. Bodo Fründt

Entlegen

„Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen“ von Jonathan Demme, der mit diesem Regiedebüt für Roger Corman („Caged Heat“, 1974) ganz unten anfing, beim Z-Movie sozusagen, ehe ihm mit seinen nächsten Filmen – „Crazy Mama“ (Verrückte Mama; demnächst im ZDF) und „Fighting Mad“ (Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle) der Sprung in die B-Kategorie gelang. Wie Demme hier die Story geradezu haarsträubend überzeichnet und den üblichen ‚exploitation“-Elementen aus Gewalt und Sex einen ironisch-emanzipatorischen Anstrich gibt, ist jedoch durchaus nicht ohne Reiz: Women’s Lib im Frauengefängnis. Sehr treffend heißt es denn auch im Vorspann: A Renegade Women & Co. Production. Dennoch ist dies vornehmlich etwas für Sammler, die auch bizarre Frühwerke aufstrebender Regietalente nicht missen wollen, oder für Barbara-Steele-Fans, die den unvergessenen Kultstar des Horrorfilms hier in einer Nebenrolle (als Gefängnisdirektorin im Rollstuhl) wiedersehen können.