Frankfurt: „25. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes“

Als Kontrastprogramm zur documenta 6 in Kassel möchte sich die nach dem Krieg zum zweitenmal in Frankfurt gastierende Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes verstehen, der 1903 in Weimar gegründet wurde mit dem Ziel, die Freiheit der Kunst zu sichern gegen staatliche Bevormundung. Doch der einzige Gegensatz zum Kasseler Kunstspektakel internationalen Zuschnitts ist der, daß sich die leider gar nicht als Jubiläumsschau konzipierte Ausstellung mit 434 Arbeiten von 291 Künstlern allein auf das bundesrepublikanische Kunstgeschehen neuesten Datums stützt, nicht aber konzentriert. Denn diese die Quantität über die Qualität stellende Schau in Frankfurt ist genauso chaotisch wie das Hundert-Tage-Ereignis in Kassel: ohne spürbare Regie unübersichtlich, unausgewogen, Wahllos und unproportioniert verteilt auf drei Ausstellungsorte. Das nimmt sich dann wie ein riesiger Weihnachtskunstbasar aus. Diesen Eindruck vermittelt vor allem das Steinerne Haus am Römerberg. Es ist vom Treppenaufgang bis zur obersten Etage gepflastert mit Exponaten, die sich kaum aufeinander beziehen. Eine Ausnahme macht allenfalls ein Ausstellungssaal im ersten, Stockwerk, in dem einige Berliner Realisten wie Vogelgesang, Palm und Herrfurth versammelt sind. Geschlossener ist die sparsame Schau der Monochromen und Minimalisten. Aber ausgerechnet diese farbsensiblen Bilder, die Licht benötigen, werden total unter- und unbelichtet im dunklen Wandelgang der Paulskirche präsentiert. Reizvoll ist allenfalls die Ausstellung im Karmeliterkloster, wo bis zum Herbst das Frankfurter Museum für Kunsthandwerk seinen hundertsten Geburtstag mit einer exemplarischen Ausstellung „Chinesisches Porzellan“ feiert. Reizvoll, weil die mittelalterliche Architektur des Kreuzgangs mit den Fresken von Jörg Ratgeb und der gerade für die Plastiken geeignete, aber zu schlecht genutzte Kreuzganggarten in so groteskem Gegensatz zu dem Ausgestellten steht; zu dem Environment von Dieter Reick zum Beispiel, das in einem umzäunten Sandfeld auf einem Dutzend Baumstümpfen von Äxten geköpfte Elstern, Tauben, Eichelhäher und Pirole zeigt, wozu ein Tonband läuft mit dem Text „Ein Planet wird geplündert“. Es provozierte den Bundespräsidenten bei seinem Besichtigungsgang zu der Frage: „Wollen Sie diese Vögel schützen?“ (Kunstverein, Paulskirche, Dominikanerkloster bis 7. August, Katalog 15 Mark)

Christa Spatz