Es hat rund eineinhalb Jahrzehnte gedauert, bis es der Volksmund gestattete, den Begriff „Gastarbeiter“ wenn auch nicht zu ersetzen, so doch wenigstens zu ergänzen. Der „ausländische Mitbürger“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen akzeptiert. Man beginnt also endlich zu begreifen, daß bei den ausländischen Arbeitnehmern und ihren Familien auch das geteilte Leid kein Ersatz für die normalerweise angestrebte Freude in der Freizeit sein kann.

Der Sport, dem besondere Integrationskraft zugeschrieben wird, hat gerade hier eine vielversprechende Initiative ergriffen. „Sport spricht alle Sprachen“, heißt der ebenso logische wie verblüffend einfache Slogan einer Plakat-Aktion der Deutschen Sportjugend, die an 46 000 Vereine den Hinweis und die Aufforderung richtet: „Wer nicht deutsch spricht, ist bei uns oft einsam. Laßt ihn mitspielen!“

In den Sprachen Italienisch, Spanisch, Griechisch, Türkisch und Serbokroatisch können jetzt die ausländischen Mitbürger mit dem längst redlich verdienten. Heimrecht die Ermunterung lesen: „Mach mit beim Sport! Informationen beim Sportverein.“ Modellmaßnahmen im Kinder- und Jugendbereich ergänzen diese hauptsächlich vom guten Willen der beiden Zielgruppen abhängigen Verbal-Aktivitäten. So registriert der erst seit wenigen Wochen arbeitende deutsch-türkische „Kindertreff“ in Berlin-Kreuzberg erfreulich hohe Beteiligungsziffern. Nicht minder erfolgreich wird auch im Essener Jugendzentrum jugoslawischen und deutschen Jugendlichen ein gemeinsames Angebot unterbreitet.

Doch das Hauptproblem, das wissen auch die Initiatoren des Sports, ist natürlich nicht die eine Million Kinder der ausländischen Arbeitnehmer. Bei ihnen beginnt spätestens mit dem Schulanfang, aber oft auch schon im Kindergarten, ein überwiegend erfolgreicher und selbstverständlich auf die Freizeit übertragbarer Integrationsprozeß, bei dem auch die Sprachbarriere kaum eine Rolle spielt. Sportliche Möglichkeiten bilden hier – wenn man von besonderen Problembereichen wie etwa in Berlin-Kreuzberg einmal absieht – nur eine begrüßenswerte Ergänzung.

Und hier im Verborgenen blühen nun verschiedene sportliche Pflänzchen. So gibt es etwa im Rhein-Main-Ballungszentrum mit dem Schwerpunkt Rüsselsheim elf Vereine einer sogenannten spanischen Liga, die bei der Pflege iberischer Lebensart und Fußballkunst unter sich sind. Daniel Ferri, Präsident des Bildungs- und Freizeitklubs Los Caballeros, meint auch, daß es nicht gut sei, daran urplötzlich etwas in ändern „Unsere Leute haben sich ihre Form der Geselligkeit gesucht und drängen nach der Arbeit in den eigenen Kulturkreis. Man sollte ihnen neue Möglichkeiten nicht um jeden Preis aufzwingen.“ Und dem neuen Sendungsbewußtsein der Sportfunktionäre verpaßt er gleich einen weiteren Dämpfer: „Macht ein Angebot, aber seid nicht enttäuscht, wenn unsere Landsleute es nicht spontan annehmen. Sie müssen erst ihre Unsicherheiten überwinden, dann finden sie schon den Weg in die deutschen Vereine.“

Natürlich gibt es auch Ausländer, die den zweiten Schritt zur Integration längst vollzogen haben. Der Hessische Fußball-Verband nennt beispielsweise 35 Mannschaften, die etwa als Akropolis Kassel oder FC Italia Frankfurt an den normalen Punkterunden der verschiedenen Ligen teilnehmen. Eine Art des Zusammenwirkens, die der Deutsche Sportbund als Zwischenlösung bezeichnet.

Die jüngeren Sportler haben in vielen Fällen auch schon den dritten und endgültigen Schritt getan. So zählt der 1. FC Rödelheim Frankfurt in seiner A-Jugend-Statistik 50 Prozent ausländische Mitglieder.