Aus unserer untenstehenden Tabelle über die Wertveränderungen der deutschen Investmentfonds geht eindeutig hervor, daß in den ersten sechs Monaten dieses Jahres entgegen allen Erwartungen das Rennen erneut von den Rentenfonds gewonnen worden ist. In einzelnen Fällen erzielten die deutschen Rentenfonds Wertsteigerungen von mehr als sieben Prozent, ein Spiegelbild der Zinsentwicklung in der Bundesrepublik. Auch die international anlegenden Rentenfonds weisen wieder gute Ergebnisse vor.

Geradezu sensationell war der Mittelzufluß der Rentenfonds, der weit über dem der Aktienfonds lag. Die Fonds-Leitungen hatten es nicht leicht, die ihnen anvertrauten neuen Gelder anzulegen. Zwangsläufig wurde wieder auf Papiere mit längeren Laufzeiten zurückgegriffen. Einzelne Fonds haben das zulässige 30prozentige Höchstkontingent der marktgängigen öffentlichen Anleihen voll ausgenutzt. In der Regel sind die neuen. Mittel sofort investiert worden. Wer in Erwartung einer Zinswende eine größere Barreserve hielt, lag schief.

Bei den Aktien haben die Fonds eine unterschiedliche Anlagepolitik verfolgt. Einige Fonds waren voll investiert, andere realisierten in der ersten Jahreshälfte Kursgewinne und warten jetzt auf einen Rückgang der Notierungen. Aus dieser differenzierten Zukunftserwartung resultieren die teilweise recht beachtlichen Unterschiede in der Wertentwicklung. Die meisten Fonds konnten die Verbesserung des Aktienindex von 3,1 Prozent im ersten Halbjahr 1977 überbieten. Einige Fonds erreichten Wertsteigerungen bis zu 5 Prozent, wie zum Beispiel Hansasecur und Thesaurus. Hansasecur hatte am 30. Juni 91 Prozent seiner Mittel in deutschen Aktien angelegt.

Sehr schwierig war es wieder für die international investierenden Aktienfonds. Sie hatten, an zwei Fronten zu kämpfen: einmal am Aktien-, zum anderen am Devisenmarkt. Nur wer an der Wall Street sehr beweglich war, konnte hier etwas, herausholen. Schließlich gab der Dow-Jones-Index im ersten Halbjahr 1977 um neun Prozent nach. In den letzten Tagen belastet nun die Dollarschwäche die Engagements in Dollar-Aktien, soweit sie nicht über Termingeschäfte abgesichert sind. Gewinnchancen boten auch die japanischen Aktien. Die Londoner Börse wurde von den meisten Fonds aus verständlichen Gründen gemieden, auch wenn sich dies, rückwirkend betrachtet als falsch herausgestellt hat. Nur Fonds, die sich über einen hohen Anteil deutscher Aktien ein gewisses Risikopolster angelegt hatten, können ihren Anlegern jetzt ein Plus bieten. Tröstlich ist, daß es bei keinem Fonds in der Berichtszeit sensationelle Einbußen gegeben hat. Nirgends wurden drei Prozent erreicht.

Über offene Immobilienfonds lohnen sich Betrachtungen über Wertveränderungen eigentlich nur dann, wenn sie längere Zeiträume umfassen. Über sie werden, wir gesondert berichten. In den letzten zwölf Monaten gab es hier Wertzuwächse zwischen 7 ,4 und 2,8 Prozent. K. W.