Mit feurigem Skalpell aus gebündeltem Licht hatten sie sich aufgemacht, menschliche Leiden zu lindern und tieferen Einblick in die belebte Natur zu gewinnen. Nun trafen sie sich wieder, die Vertreter von 26 Forschergruppen, die seit drei Jahren Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung von Laserstrahlen in Medizin und Biologie ausloten.

Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung, kurz: GSF, in Neuherberg bei München hatte zur Bestandsaufnahme geladen. Unter dem Management der GSF und mit 8,9 Millionen Mark vom Bundesministerium für Forschung und Technologie gefördert, erwies das Programm „Laser in Medizin und Biologie“ die Brauchbarkeit von Laserskalpell, -endoskop und -meßgerät in Labor und OP-Saal. Ein weiteres Jahr und eine zusätzliche Forschungsmillion werden das Programm abschließen.

Erste Erfolge meldeten die Laier-Mediziner etwa bei der Behandlung von Brandopfern oder beim Stillen blutender Magen- und Darmgeschwüre. Auf vielen anderen Anwendungsgebieten jedoch gelang der Sprung vom Laborversuch zur klinischen Anwendung noch nicht.

Die GSF, ein vom Bund getragenes Grpßforschungszentrum, dient seit Herbst 1973 mit ihrem zentralen Labor Fachärzten als eine Art Servicebetrieb. Auf den Versuchen von Neuherberg basieren zum Beispiel erste gute Erfolge in der Behandlung von Blasentumoren. So wurden in der Urologischen Universitätsklinik München schon bei 22 Patienten insgesamt 35 erbsen- bis haselnußgroße Blasentumoren erfolgreich mit Laserlicht zerstört. Bei größeren Tumoren dringen die Laserstrahlen nicht tief genug ins Gewebe ein.

Bei der Tumor-Chirurgie mit Laserlicht fließt kaum Blut, die Operation ist rascher vorbei, die Patienten kommen früher aus der Klinik.

Die größten Zukunftsaussichten des Lasers in der Medizin sehen Experten wie Prof. Raimund Kaufmann von der Universität Düsseldorf denn auch auf dem Gebiet der Chirurgie. Bei Brandverletzten z. B. läßt sich die verbrannte Haut durch einen Laser mit nur etwa halb so hohem Blutverlust abtrennen als mit dem herkömmlichen Skalpell. Auch beim Stoppen von Magen- und Darmblutungen buchten die Laser-Chirurgen; erste Erfolge: Ärztegruppen in Erlangen und München stillten per Laser jeweils bereits mehr als 200 solcher Blutungen.

Als besonders aussichtsreich gilt die Laser-Endoskopie. Bei diesem Verfahren gelangt der Laserstrahl mit Hilfe eines biegsamen Lichtleitkabels aus Glasfaser, das in natürliche Körperöffnungen wie Mund oder After eingeführt wird, an das kranke Gewebe.