Bei ihrem ersten Treffen sorgte Jimmy Carter gleich für eine entspannte Stimmung, indem er sich enttäuscht darüber zeigte, daß der Kanzler nicht seinen feschen kanadischen Cowboyhut trug. Auf diesen scherzhaften Ton ging der Kanzler schlagfertig ein und sagte: Hut hin, Hut her – Hauptsache, die Opposition zwinge ihn nicht eines Tages, seinen Hut zu nehmen. Das könne er sich gar nicht vorstellen, bemerkte Carter, und überhaupt seien ihm die Deutschen ein Rätsel, die Russen übrigens auch. Er erfuhr nun vom Kanzler, daß auch er den Deutschen ein Rätsel sei, und daß die Russen angeblich sogar ein eigenes „Forschungsreferat Carter“ eingerichtet hätten, worauf Carter sein strahlendes Gebiß entblößte, und dem Kanzler verriet, er sei sich selber oft ein Rätsel.

Nun erkundigte sich der Präsident, wie dem Bundeskanzler Kanada gefallen habe, er und Rosalynn hätten nämlich noch keine festen Urlaubspläne. Schmidt erwiderte, zwar habe er nicht alles von Kanada gesehen, aber was er gesehen habe, sei sehr anziehend gewesen, und er verriet Carter einige besonders schöne Flecken.

Endlich kamen die beiden Staatsmänner zur Sache, nämlich zu Trudeaus kaputter Ehe. Der besorgte Präsident wollte von Schmidt hören, wie Trudeau auf ihn gewirkt habe. Er bemühe sich zwar, sich nichts anmerken zu lassen, gab ihm Schmidt Bescheid, wirke aber doch sehr angeschlagen. Daraufhin waren sich beide einig, daß es für ein Staatsoberhaupt sehr bedauerlich sei, wenn es von seiner Frau verlassen wird, nicht zuletzt, weil dann auch keine Tischdame für Staatsbesucher vorhanden sei. Darauf bemerkte Schmidt ergänzend, er habe Margret beim Staatsbankett auch sehr vermißt.

Die beiden Politiker kamen dann noch kurz auf das Thema Menschenrechte und menschliche Erleichterungen zu sprechen, aber als sie übereinstimmend feststellen mußten, daß ihre Ansichten darüber weit auseinandergehen, zogen sie es vor, wieder auf Trudeaus – Ehe zurückzukommen. Im Nu waren sie sich darüber einig, daß Margret eine verdammt reizvolle Frau sei, wobei Carter augenzwinkernd auf sein berühmtes Playboy-Interview hinwies. Schmidt kannte dieses Interview natürlich und lobte Carters Offenheit.

Eigentlich hätten sie sich nun den Energie-Problemen zuwenden sollen, aber dann reizte es sie doch mehr, über das traurige Los der Politikergattinnen zu sprechen, das ja auch zur Eheflucht Margrets geführt habe. Dazu meinte Schmidt, auch seine Frau Loki verschwinde manchmal wochenlang in irgendwelchen Urwäldern, sei aber bisher immer zurückgekommen. Das spräche für eine intakte Ehe, fand Carter. Er vertraute dem Kanzler an, daß er seine Frau Rosalynn, damit sie nicht im Weißen Haus untätig herumsitze, neuerdings mit heiklen politischen Sondermissionen im Ausland betraue, dabei habe sie bisher nicht mehr Porzellan zerdeppert als sein UN-Sonderbotschafter Andy Young.

Nun war eigentlich der Augenblick gekommen, sich über die wesentlichsten Aspekte des deutschamerikanischen Verhältnisses gründlich auszusprechen. Aber nach einigen erfolglosen Ansätzen waren sich bald beide Regierungschefs darin einig, daß es viel amüsanter sei, darüber Spekulationen anzustellen, warum Margret nun wirklich ihren Mann verlassen habe, und wie wohl die Frau sein müßte, die vielleicht einmal ihre Nachfolgerin würde. Die beiden Staatsmänner kamen sich im Verlauf dieser Aussprache immer näher.

Als sich schließlich Genscher und Vance, dem Konferenz-Kalender entsprechend, dazugesellen wollten, erklärten Carter und Schmidt wie aus einem Munde, es gäbe noch einige strittige Punkte unter vier Augen zu klären. Sie baten ihre beiden Außenminister, sie dabei jetzt nicht zu stören.