Mit dem Verzicht auf ein eigenes Zimmer sind viele Probleme verbunden. Man muß auf den Mitbewohner Rücksicht nehmen und ihn tolerieren, was oftmals schwierig ist. Die Probleme beginnen in der Kindheit, wenn es beispielsweise ums Aufräumen geht, und setzen sich in der Jugend fort. Man ist selten allein und hat oft nicht die Möglichkeit, sich einmal zurückzuziehen.

Im Zusammenwohnen von Geschwistern kann man Vorteile und Nachteile sehen. Die Vorteile sind: der Spielkamerad oder der Helfer bei den Schulaufgaben. Die Nachteile ergeben sich in der Jugendzeit, wenn die Interessen auseinandergehen. jedes der Geschwister hat jetzt seine eigenen Probleme, und es ist oft nicht möglich, sich dem anderen mitzuteilen. Man möchte seine Ruhe. Weiterhin ist es in einem gemeinsamen Zimmer schlecht möglich, Besuch zu empfangen. Wo soll man hin?

Dies alles führt oft zu Streitereien und einem derartigen Auseinanderleben zwischen Geschwistern, daß der Bruch auch in späteren Jahren nur schwer wieder zu kitten ist. Ein gemeinsames Zimmer ist für Kinder bis zum Alter von acht Jahren ein Vorteil, für die Älteren ergeben sich aber doch allzugroße Probleme.

Ulrike Kreutner, 17 Jahre

* Wenn man kein eigenes Zimmer hat, dann bekommt man zwangsläufig Übung in einer Eigenschaft, deren Bedeutung man schwer überschätzen kann: gegenseitige Rücksichtnahme. Ein positiver Punkt, jedoch nur so lange, wie die Rücksichtnahme gegenseitig bleibt. Bestehen zwischen den in einem Zimmer lebenden Geschwistern größere Altersunterschiede, so ist immer die Gefahr einer Terrorisierung des Schwächeren durch den Stärkeren gegeben. Umgekehrt kann sich der Ältere oft durch das kindische Betragen des Jüngeren belästigt fühlen. Wo immer es möglich ist, sollte jedes Kind sein eigenes Reich haben; gegebenenfalls lieber zwei kleine Zimmer als ein größeres. Edlef Pauly, 19 Jahre

Wenn ich kein eigenes Zimmer habe,

  • bin ich gezwungen, mich auf die Bedürfnisse und Angelegenheiten meiner Familie oder einer anderen Gemeinschaft einzustellen. Das tue ich lieber freiwillig!
  • werde ich unwillkürlich in Auseinandersetzungen von Familienmitgliedern einbezogen, die dadurch oft nur kompliziert werden;
  • fehlt mir folglich ein Raum, um unnötigen Konflikten auszuweichen;
  • fehlt mir ein eigener Bereich zum Zurückziehen, Abschalten, Nachdenken;
  • fehlt mir ein allein mir gehörendes Reich der Selbstgestaltung und der Ruhe;
  • fehlt mir der Abstand zur Umwelt.