Universitäten melden freie Studienplätze. Doch der Numerus clausus bleibt erhalten. Die Technische Universität München hat in den Fächern Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Maschinenbau und Physik für das Wintersemester 1977/78 noch Plätze. Sie will Studienbewerber mit den entsprechenden Voraussetzungen nachträglich zulassen. Die Technische Universität protestiert dagegen,/daß die genannten Fächer nach wie vor von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund zugeteilt werden. Denn schon im Wintersemester 1976/77 konnte die TU München von 640 Studienplätzen nur 528 vergeben; Keine Spur von Überfüllung.

Auch die Universität Dortmund läuft gegen die Zentralstelle Sturm. In Natur- und Ingenieurwissenschaften kann sie noch Studenten unterbringen. In einer Resolution des Senats heißt es: „Die Ausbildungskapazität in diesen Fächern wird sowohl bundesweit wie auch in Dortmund mit hoher Wahrscheinlichkeit ausreichen.“

Hier bahnt sich ein Skandal an. Die Universitäten weisen nach, daß sie ausreichende Studienplätze haben. Die angehenden Studenten könnten sich direkt bei den Hochschulen bewerben. Der bürokratische Umweg über die Zentralstelle wäre also überflüssig. Aber die ZVS will bei der Zulassung weiter mitmischen.

Es wird noch grotesker. Die Ingenieur- und Naturwissenschaften waren im abgelaufenen Sommersemester ’77 bereits aus dem Bewirtschaftungskatalog der ZVS gestrichen. Für das kommende Wintersemester sind sie jedoch wieder aufgenommen. Begründung: Man wolle Mehrfach-Bewerbungen vermeiden. Das ist angesichts der freien Studienplätze wenig überzeugend. Zulassungsbeschränkungen sollten nicht die Regel, sondern die Ausnahme sein.

Doch die Tendenz ist eher umgekehrt. Noch im September 1976 konnten die Studienbewerber hoffen. Die 40 Studiengänge, die bis zum Sommersemester ’76 den Numerus-clausus-Stempel der ZVS trugen, wurden auf vierzehn reduziert. Etliche Fächer fielen ganz aus dem ZVS-Verfahren heraus. Das war ein Fortschritt. Doch der Rückschritt folgte auf dem Fuß. Schon im April dieses Jahres rutschten außer den Ingenieur- und Naturwissenschaften noch Ökonomie und Volkswirtschaft, Chemie, Mathematik und Physik wieder in das zentrale Vergabeverfahren. Alles Fächer, die noch im Sommersemester ’77 von der Bewirtschaftung frei waren. Der Grund damals wie heute: Es schreiben sich zwanzig bis dreißig Prozent weniger Studenten ein, als Plätze zu besetzen sind. Trotzdem will sich die ZVS-Bürokratie diese Studiengänge wieder einverleiben – und sei es nur über eine Ortsverteilung. Im Verwaltungsausschuß der Zentralstelle und hinter den Kulissen schlagen die Kultusbürokraten der Länder heftige Schlachten, welche Fächer im kommenden Wintersemester wie vergeben werden.

Die Entscheidung fällt am 10. August.

Jura, zur Zeit nur in der Ortsverteilung, droht wieder der harte Numerus clausus mit Abiturnotendurchschnitt und Wartezeiten – obwohl im Sommersemester ’77 die Plätze ausreichten.