• Herr Stephany, einer der wichtigsten Verhandlungspunkte des Bundeskanzlers während seines Kanada-Besuchs war die Aufhebung des Lieferstopps für Natururan. Wie lange könnten wir ohne diese Lieferungen noch auskommen?

Stephany: Wir sind auf die kanadischen Lieferungen nicht deshalb angewiesen, weil sonst Kernkraftwerke stillgelegt werden müßten, sondern weil wir vor allem Anreicherungsverträge mit der UdSSR haben, für die kanadischesNatururan angeliefert werden muß. Und die UdSSR legt Wert auf strikte Termineinhaltung.

  • Aber seit Anfang des Jahres weigern sich die Kanadier, das Natururan zu liefern, das deutsche Unternehmen nach Moskau schicken müssen.

Stephany: Die deutschen Energieversorgungs-Unternehmen haben sich dadurch geholfen, daß sie sich das benötigte Uran geliehen haben. Das kann auch noch einige Monate so weitergehen – jedenfalls so lange, wie alle Welt davon überzeugt ist, daßdieses Problem bald gelöst wird. Sollte dies einmal nicht mehr der Fall sein, wird auch niemand mehr bereit sein, Uran zu verleihen.

  • Wer leiht überhaupt Uran aus?

Stephany: Im wesentlichen deutsche Elektrizitätsversorgungs-Unternehmen, die Verträge mit Südafrika haben, ihr Uran aber noch nicht brauchen, weil die Kernkraftwerke wegen verzögerter Genehmigungen nicht termingerecht fertig werden. Auch die britische General Electricity Generating Board hat ziemlich große Uranvorräte und war bisher ebenfalls bereit, über Uran-Verpachtung mit sich reden zu lassen.

  • ... und wenn sie nicht mehr mit sich reden lassen?