Die Werbesprüche wirkten überzeugend: Kärnten, „der nahe Süden“, das Urlaubsland der wärmsten Seen in Österreich, Kärnten „auf die Sonne abonniert“. Die Berufung auf die Sonne Und ihre in Mittelmeerländern bewährte Anziehungskraft ging so weit, daß die Klagenfurter Landesregierung keine Einwände erhob, als ein besonders regenreiches Feriengebiet in Kärnten, das Naßfeld, sich eines Tages selbst auf den attraktiveren Namen „Sonnenalpe“ umtaufte.

Doch Kärnten, das von der Sonne verwöhnte, erlebte 1976 einen argen Rückschlag im Fremdenverkehr: Um zehn Prozent nahm die Zahl der Gästeübernachtungen ab. Auf der Suche nach den Ursachen äußerte die Wiener Fachzeitung „tourist austria“ den bösen Verdacht, die hohen Mautgebühren der neuen Tauernautobahn hätten den Ansturm der Germanen aus dem Norden allzu erfolgreich abgewehrt, und der teure Alpenübergang sei somit der Hauptgrund für die Misere. Diesen Vorwurf wollte die Tauernautobahn AG nicht auf sich sitzen lassen, und sie tat, was heute üblich ist, wenn es darum geht, im Nebel Beweise zu finden: Sie bemühte die Wissenschaft um ein Gutachten.

Die Expertise wurde nun den Fremdenverkehrs-Funktionären zur Diskussion zugestellt, und siehe da, jetzt erfuhr man die wahren Gründe für das Minus in den Gästeliegen. Schuld waren zuallererst einmal die „gezielten Angriffe der deutschen Touristikbranche gegen die Kärntner Fremdenverkehrswirtschaft“ (wo das?), ferner „zu hohe Preissteigerungen auf der Sekundärseite, zum Beispiel in Kaffeehäusern“, aber auch das mangelnde marktgerechte Verhalten vieler Privatzimmervermieter“. Und schließlich wetterten die Vertreter des Kärntner Fremdenverkehrs gegen die eigene bewährte Werbeparole von der Sonne und den Badeseen, die freilich 1976 durch den wochenlangen Regen allzu augenfällig widerlegt worden war.

Nun stellt sich die Frage, mit welchen anderen Argumenten künftig Kärntens Werber die Gäste ins Land locken sollen. Da die Gebühren der „Raubritter von der Tauernautobahn“ (tourist austria) tabu sind, will man das Augenmerk der Gäste von der ungetreuen Sonne weg auf die „vielen anderen Möglichkeiten Kärntens als Urlaubsland lenken“.

Ob diese „vielen anderen Möglichkeiten“ (was immer das sein soll) den Gästen allerdings attraktiver erscheinen, als die Hoffnung auf Sonne, muß sich erst zeigen. jv