Der geringe Einfluß der Bundesrepublik, des stärksten europäischen Nato-Partners, in der militärischen Bündnisführung war seit Jahren ein Gegenstand Bonner Kritik. Es ging dabei weniger um einen Satz goldener Sterne mehr für die deutsche Generalität als um Führungspositionen im Bündnis. Nun hat der Nato-Oberbefehlshaber General Haig bekanntgegeben, daß er sich einen zweiten Stellvertreter wünscht – und ein deutscher Vier-Sterne-General soll die neue Spitzenstellung einnehmen. Georg Lebers umsichtiges und diskretes Wirken hat sich ausgezahlt.

Jetzt kommt es darauf an, unter den deutschen Militärs einen international erfahrenen, fähigen und angesehenen Kandidaten zu finden. Da der Nato-Oberbefehlshaber Europa-Mitte, seit 1967 stets ein deutscher Heeresgeneral, unmittelbar nach dem Oberkommandierenden in Europa rangiert, scheidet der Inhaber dieses Kommandos, General Schulze, aus dem Kreis der Kandidaten aus. So bleibt nur eine Handvoll Kandidaten, die Bonn dem Bündnis anbieten kann. Ein Admiral kommt als Repräsentant der größten Landstreitmacht nicht in Frage, ein Luftwaffengeneral derzeit kaum, wo schon der Generalinspekteur aus der Luftwaffe stammt. Immerhin zählen Vizeadmiral Luther, Generalleutnant Bernhard und Generalleutnant Limberg zum Kreis der qualifizierten Offiziere.

Die Wahl wird schließlich wohl unter Generalleutnanten des Heeres entschieden werden. An ihrer Spitze stehen zwei Namen: Generalleutnant Gerd Schmückle, derzeit Direktor des Internationalen Stabes beim Nato-Militärausschuß in Brüssel, und Generalleutnant Lothar Domröse, derzeit Stellvertretender Chef des Stabes bei General Haig.L.R.