Von Franz Schönauer

Literatur der Weimarer Republik – darunter verstand die westdeutsche Germanistik der fünfziger und sechziger Jahre vor allem die des Expressionismus. Autoren etwa, die in der Phase der Stabilisierung – also nach der Inflation – zu schreiben begannen (Bernhard von Brentano, Heinrich Häuser, Alexander Stenbok-Fermor, Kurt Heuser, Irmgard Keun, Erik Reger, Edlef Köppen, Martin Kessel), werden von der Sekundärliteratur kaum registriert. Neudrucke ihrer Bücher fehlen. Hier könnte eine Buchreihe Abhilfe schaffen, die seit einigen Monaten im Scriptor Verlag (Kronberg) erscheint. Sie nennt sich „Reihe Q: Quellentexte zur Literatur- und Kulturgeschichte“. Helmut Kreuzer, Germanist an der Gesamthochschule Siegen, gibt sie heraus. Das Programm sieht, neben Erstdrücken wichtiger literarischer Nachlässe, die Wiederveröffentlichung relevanter, auf dem Buchmarkt vergriffener Werke von fachlichem, historisch-wissenschaftlichem oder literarischem Interesse vor. „Die ausgewählten Texte“, so heißt es in der Verlagswerbung, „sind teils noch nie ins fachliche oder literarische Bewußtsein eingedrungen, teils sind sie nach früheren Erfolgszeiten verlorengegangen. Den ersten Schwerpunkt bilden Werke zur Literatur-, Ideologie- und Mediengeschichte der Weimarer Republik; weitere Schwerpunkte, mit Werken anderer Epochen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts werden folgen.“

Ob diese „Reihe Q“ erfolgreicher sein wird als frühere Unternehmungen ähnlicher Art muß sich erst noch zeigen. Doch sind die ersten drei Titel ansprechend genug – auch für Nichtfachleute –

Edlef Koppen: „Heeresbericht“, mit einem Nachwort von Michael Gollbach; 1976; 485 S., 32,– DM

Erik Reger: „Union der festen Hand – Roman einer Entwicklung“, mit einem Nachwort von Karl Prümm; 1976; 707 S., 36,– DM

Arno Schirokauer: Frühe Hörspiele“, herausgegeben und mit einem Nachwort von Wolfgang Paulsen; 1976; 162 S., 24,– DM.

Alle im Scriptor Verlag, Kronberg.