Von Brigitte Zander

Barpersonal für abends gesucht. Bewerber sollen in Frauenkleidern gut aussehen.“ – „Mechaniker benötigt; Geschlecht unwesentlich; vorausgesetzt, der Betreffende ist bereit, die Herrentoilette zu benutzen!“ – „Maurer männl. oder weibl. gesucht; Bewerber müssen einen Brustumfang von mindestens 96 cm haben und bereit sein, sich im Sommer bis zur Hüfte zu entkleiden.“

Mit solchen trickreich-witzig formulierten Stellensuchanzeigen reagierten britische und amerikanische Personalchefs in der Vergangenheit auf neue Gesetze, die die Gleichstellung von Frau und Mann in der Arbeitswelt erzwingen sollten. Die Münchner Soziologin Dr. Elisabeth, Beck-Gernsheim weist jetzt in einer Studie über die berufliche Unterprivilegierung der Frau nach, daß sich die vorhandene geschlechtsspezifische Teilung des Arbeitsmarktes und die Benachteiligung der Weiblichkeit niemals mittels Verordnungen außer Kraft setzen lassen. Denn schlechte Karrierechancen und die Konzentration der Frauen auf wenige, nicht gerade prestigeträchtige Berufssparten resultieren nach ihrer Untersuchung aus den „Besonderheiten des weiblichen Arbeitsvermögens“.

Was die Frau im Haushalt braucht, schadet ihr im Beruf – heißt die These der Soziologin. Nicht allein familiäre Belastung, biologische Eigenarten und gesellschaftliche Vorurteile, sondern vor allem die typisch weibliche Art der Aufgabenerfüllung behindere den Weg durch die Firmenhierarchie nach oben. Durch generationenlange Verbannung in den Lebensraum zwischen Küche und Kinderzimmer habe die Frau bestimmte Bedürfnisse, Eigenschaften und Fähigkeiten ausgebildet, die im beruflichen Konkurrenzkampf um Positionen, Prestige und Einkommen stören.

Die Untersuchung, die im Sonderforschungsbereich 101 der Münchner Universität entstanden und inzwischen unter dem Titel „Der geschlechtsspezifische Arbeitsmarkt“ als Buch erschienen ist (Aspekte-Verlag, Frankfurt), nennt als schlimmste Karriere-Barrieren der Frauen ihre personenorientierte Arbeitsweise, ihre Hege- und Pflegeneigung, die Sehnsucht nach sinnvollen, ganzheitlichen Aufgäben, den Trend zur Unterordnung und Rücksichtnahme sowie ihre Dienerbereitschaft. Dem sogenannten schwachen Geschlecht fehle es an Ellenbogen-Kampftaktik und an der Begeisterung für abstrakte Arbeitsvorgänge. Frauen können ihre eigenen Leistungen nicht publikumswirksam genug verkaufen, zeigen zu wenig Interesse am Hierarchiegerangel, unterwerfen sich ungern den nüchtern kalkulatorischen Regeln des innerbetrieblichen Aufstiegs und ziehen oft eine angenehme Arbeitsatmosphäre der Jagd nach Prestige- und Einkommensmaximierung vor, konstatiert Frau Beck-Gernsheim.

Die Geschlechterverteilung im bundesdeutschen Berufsalltag bestätigt die Forscheranalyse. Trotz verbesserter Bildungschancen und eines höheren Qualifikationsniveaus drückt sich die Weiblichkeit immer noch im Souterrain der Unternehmen herum. Das beweist eine neuere Erhebung des Statistischen Bundesamtes, wonach zwar 28,7 Prozent aller erwerbstätigen Hochschulabsolventen Frauen sind; doch unter allen Akademikern in leitenden Positionen findet man nur 12,6 Prozent Damen. Noch bedenklicher ist die Situation auf dem Angestelltensektor, wo Mädchen und Frauen überwiegend die (schlecht bezahlten) Positionen einnehmen; nur 6,7 Prozent konnten sich an Führungsaufgaben herantasten.

Besonders nachteilig – vor allem in Rezessionszeiten – macht sich die Konzentration auf die angeblich „typisch weiblichen“ – Wirkungsfelder bemerkbar. Verkäuferin, Friseuse, Stenotypistin und Sprechstundenhelferin gelten – entsprechend dem traditionellen Rollenbewußtsein – als „passende“ und begehrte Frauenjobs. Dieses Berufsspektrum ließe sich durchaus erweitern, stellte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fest. Nach einer Umfrage des IAB-Wissenschaftlers Dr. Hans Hofbauer unter 70 000 Vorgesetzen in „männlich“ orientierten Betrieben stehen die „Chefs“ der Eroberung von traditionell „unweiblichen“ Berufen wie Dreher, Fräser, Mechaniker, Schriftsetzer oder Werkzeugmacher durch Frauen keinesfalls abwehrend gegenüber. Um bei den Schulabsolventinnen Neigung zu diesen „ungewöhnlichen“ Tätigkeiten zu wecken, bereitet die Bundesanstalt für Arbeit derzeit einen Aufklärungsfilm mit dem Titel „Das ist doch nichts für Mädchen...“ vor.