Hat die pakistanische Armee in der vorigen Woche nur geputscht, am einen Bürgerkrieg zu vermeiden und die Demokratie zu retten? Das behauptet zumindest der neue starke Mann, General Zia UI-Haq.

Auf mehreren Pressekonferenzen beteuerte General Zia, Generalstabschef der Armee, daß „im frühen Oktober“ allgemeine Wahlen (die dritten in der 30jährigen Geschichte Pakistans) stattfinden werden. Bis dahin würden alle politischen Häftlinge freigelassen, die am Dienstag vergangener Woche während des unblutigen Putsches festgesetzt worden waren. Ein Wahlkampf freilich sei unnötig; „die Positionen der beiden Rivalen sind dem Volke hinlänglich bekannt“.

Die beiden Rivalen – die „Volkspartei“ des jetzt inhaftierten Ministerpräsidenten Zulfikar Ali Bhutto und die Neun-Parteien-Koalition „Pakistanische Nationale Allianz“ unter Ex-Luftmarschall Asghar Khan – hatten sich schon vor dem Staatsstreich darauf geeinigt, am 6. Oktober die Wahlen vom März zu wiederholen. Bei diesen – von Bhutto einigermaßen überraschend angesetzten – Wahlen hatte die Volkspartei einen überwältigenden Sieg errungen – freilich dank solch massiven Wahlschwindels, daß die „Nationale Allianz“ auf die Straße ging.

Bei der Serie von Demonstrationen, Streiks und Zusammenstößen mit Armee und Polizei starben mindestens 350 Menschen. Beeindruckt von diesen Prostesten hatte sich Bhutto langsam dazu durchgerungen, der Forderung nach Neuwahlen nachzugeben. In zwölf Sitzungen handelten Vertreter der beiden Parteien ein Programm aus, das Neuwahlen unter Oberaufsicht der Armee und gegenseitiger Parteienkontrolle vorsah, Asghar Khan, glühender Bhutto-Feind, gab sich damit allerdings nicht zufrieden. Statt das Verhandlungspapier zu unterschreiben, präsentierte er dem Ministerpräsidenten zehn neue Forderungen.

Zuerst verlor Bhutto die Geduld, dann die Armee. Oder in den Worten Zias: „Ich sah keine Möglichkeit mehr für einen Kompromiß zwischen Volkspartei und Nationaler Allianz, weil sich beide gegenseitig zu sehr mißtrauen und ihre Glaubwürdigkeit verloren haben.“ Das Land vor dem Chaos des Bürgerkriegs zu retten, sei jetzt Aufgabe der Streitkräfte.

Die Frage bleibt, ob dieser Wunsch Wirklichkeit wird. In der Armee gärt es seit langem; gerade jüngere Offiziere sind es leid, gegen die zahlreichen Bhuttogegner eingesetzt zu werden. Kommt es zu Wahlen, spricht alles für einen Wahlsieg Bhuttos, dessen Partei die massiven Wahlfälschungen im März für die Mehrheit gar nicht benötigt hatte. Zieht sich Bhutto aber zurück – er hat es anklingen lassen –, bricht die Allianz-Koalition auseinander, die nur durch die Feindschaft gegen Bhutto zusammengehalten wird.

Zia, ein unpolitischer Techniker, hat einen heiklen Punkt bisher ausgespart: Bhutto ist sicherlich trotz seiner Arroganz und Selbstüberschätzung der einzige mehrheitsfähige Zivilpolitiker in Pakistan, gleichzeitig aber auch einer der bestgehaßten Männer in den Streitkräften. Der letzte Militärdiktator Yahya Khan gab erst vor fünf Jahren, nach der Niederlage gegen Indien um Bangla Desh, die Macht ab. bi