In den Börsensälen hat sich die Stimmung merklich gebessert. Das schlägt sich vorerst noch nicht in entsprechenden Kurssteigerungen nieder. Es ist aber gelungen, nervös gewordene Aktienbesitzer von Verkaufsentschlüssen abzubringen. Dadurch ist der Markt relativ eng geworden. An festen Tagen sind allerdings Kreditinstitute bereit, Kursgewinne zu realisieren. Auf diese Weise wird jede Kursbewegung nach oben noch abgeblockt.

In Einzelfällen zeigt sich aber die im Grunde vorhandene Unternehmungslust. Deutlich abzulesen an den Aktien der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), die den Ausschüttungsabschlag von sieben Mark an einem Tag wieder aufholten und bei denen der Bezugsrechthandel keine Schwierigkeiten bereitet. Allmählich weicht auch der Kernkraftschock von den Siemens-Aktien. Die jetzt bekräftigte Beibehaltung der Ausschüttung von bisher acht Mark scheint besonders die Ausländer in die Siemens-Aktien zurückzuführen. Siemens will die Last der Körperschaftsteuer-Reform voll übernehmen, eine Leistung, die bisher von den Anlegern erst wenig gewürdigt worden ist.

Nach den Hauptversammlungen ist es um die deutschen Autoaktien ruhiger geworden. Gewinnmitnahmen sind hier an der Tagesordnung. Etwas Phantasie regt sich bei den Stahl-Werten, genährt durch Hoffnungen auf Überwindung der weltweiten Stahlkrise. Im Bereich der Großchemie-Aktien gibt es beharrliche Anlagekäufe institutioneller Gruppen, die sich hier wegen der günstigen Rendite noch einiges ausrechnen. Im Hintergrund steht die Hoffnung, daß die Verwaltungen ihre relativ vorsichtigen Prognosen für 1977 im Spätherbst zur positiven Seite hin korrigieren werden.

Nutznießer der im Zuge der Aufwertungsdis-Passionen leicht belebten Ausländerkäufe waren die Aktien der Deutschen Bank, während diesmal Mannesmann-Aktien weitgehend unberücksichtigt blieben. „Mannesmann befindet sich im negativen Gewinntrend“, beanstanden die Effektenberater und verweisen auf die Vorstandserklärung, wonach Mannesmann 1977 weniger als 1976 verdienen wird. Die Spekulation in Lufthansa-Vorzugsaktien hat ihren Höhepunkt überschritten. Sie war erneut aufgeflammt, als das für die Bundesregierung negative Urteil in Sachen Fluglotsenstreik bekannt wurde. Die Lufthansa beziffert ihren durch diesen Streik entstandenen Verlust auf mehr als 170 Millionen Mark.

An der Börse ist man sich darüber im klaren, daß die Lufthansa schwerlich mit einer Erstattung dieser Summe rechnen kann. Immerhin untermauert die Forderung die gegenwärtig günstige Börsenstimmung für Lufthansa-Aktien. Ob allerdings die Käufer von heute noch auf ihre Rechnung kommen werden, ist wohl ungewiß. K. W.