Bekenntnisse sind unsere Stärke. Vor allem solche, die sich widersprechen! Die jeweils exaltierte Idee darf selbstverständlich gebeten werden, wieder auf den Teppich zu kommen, aber ohne sie bricht dort unten die Dürre aus... So grundsätzliches Wollen wurde schon immer begrient, nicht erst seit dem Schneider von Ulm. Und: gerade die mit Erfahrung im Abstürzen, zu welchen Barlach zählt, sind es, denen wir uns heute, selbst ziemlich abgestürzt, verwandt fühlen. Noch die anzweifelbarste Anstrengung, ein Bild von der Welt zu entwerfen, nimmt uns mehr ein, als der geschickte Stumpfsinn des hysterischen Sachlichbleibens. Das kleinbürgerliche Problem, sich nicht entscheiden zu können, gewinnt bei Barlach philosophische Dimension, wird von ihm empfunden als Qual und Möglichkeit, als Ohnmacht und Aufgabe gleichzeitig ... Da stellt jemand leise schreiend die Frage, warum das Gras wächst.

Frank-Patrick Steckel über seine Inszenierung von Ernst Barlachs „Armen Vetter“ in Frankfurt, „Theater heute“, 7/1977.

Mit dpa im Theater

bad segeberg, 10. juli 77 dpa/lno – im schleswig-holsteinischen bad segeberg wurden am Sonnabend die 26. karl-may-spiele eroeffnet. Intendant harry waither, der jetzt im dritten jahr die spiele leitet, hat unter dem gesamttitel „der schwarze mustang“ (so nennt sich ein haeuptling der comanchen) zwei stuecke nach motiven von karl may geschrieben und inszeniert: „der mestize“ und „truegendes gold“. im gegensatz zur „werktreue“ seines vorgaengers toni graschberger setzt harry Walther auf show und action. in einer reihe farbiger massenszenen, in einzelnen kampfszenen und vielen reiterszenen zeigt walther den kampf zwischen den indianischen einwohnern und den maennern der eisenbahngesellschaft mit ihrem „feuerross“, die den fortschritt und die technik in den wilden westen bringen, ueber 100 darsteller einschliesslich komparsen und reitergruppen sind an den wilden auseinandersetzungen beteiligt.

Mit der „Welt“ beim Ballett

Hamburg, 11. Juli 1977: „Der erste Akt von den zweien dieses getanzten ‚Sommernachtstraums‘ ist nach anderthalb Stunden schon vorbei, wie schade! Man kann sich nicht satt an ihm sehen. Ein Welterfolg des Großballetts oder umgekehrt, Ein Großerfolg des Weltballetts steht zum Saisonschluß ins Staatsopern-Haus. Neumeiers choreographische Erfindungen sind eines Oberon würdig. Mendelssohns Musik gehört die Welt der Menschen. Das Geisterreich glitscht molchig auf Ligetis Klangflächen daher. Auf die Drehorgelwalz gehen die Handwerker in den Märchenwald. Wer diesen Sommernachtstraum Neumeiers nicht sehen möchte, macht sich selbst zum Esel, wie Zettel der Weber. Das Publikum ging jubelfreudig schon in die Pause. Lesen Sie morgen die ausführliche Kritik.“ (gtl)