Sparen steht nicht mehr ganz so hoch im Kurs. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes legten die Privathaushalte mit höherem Einkommen 1976 nur noch 15 Prozent ihres Verdienstes auf die hohe Kante, 1975 waren es noch 18 Prozent. Und Vier-Personen-Haushalte mit mittlerem Einkommen brachten im Vorjahr elf Prozent ihres Geldes aufs Sparkonto, 1975 hatten sie 13 Prozent abgezweigt.

Kräftig gestiegen sind im vergangenen Jahr die Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin errechnete gegenüber dem Rezessionsjahr 1975 ein Plus von 15 Prozent. Das Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit lag hingegen mit einer Zunahme um 7,3 Prozent um mehr als die Hälfte niedriger.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen der Selbständigen erreichte 1976 nach der Rechnung des DIW 6565 Mark im Monat (plus 14 Prozent). Angestelltenhaushalte kamen auf 2695 Mark (plus vier Prozent). Die Nettoeinkommen der Rentner lagen im Schnitt bei 1630 Mark. Der Hälfte der Rentnerhaushalte standen allerdings weniger als 1325 Mark zur Verfügung, ein Zehntel kam nicht einmal auf über 750 Mark.

Der größte Teil der privaten Verbrauchsausgaben wurde letztes Jahr für Nahrungs- und Genußmittel aufgewandt. In Rentner-Haushalten entfielen auf diesen Posten nach Angaben des Statistischen Bundesamts 39 Prozent des Einkommens, in Arbeitnehmerhaushalten mit mittlerem Einkommen 30 Prozent. An zweiter Stelle der Ausgaben lagen die Mietkosten mit 23 beziehungsweise 16 Prozent.

Deutsche Verbraucher sind inzwischen ein wenig pessimistischer geworden in ihrer Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung in der Bundesrepublik. Während 1976 noch ein Drittel der Befragten mit einer Verbesserung der Lage in den nächsten zwölf Monaten rechneten, hoffen nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung in Nürnberg Mitte dieses Jahres nur noch 16 Prozent auf eine bessere konjunkturelle Zukunft.

Eine Belebung des Wirtschaftsaufschwungsin der zweiten Jahreshälfte erwartet dagegen die Bundesregierung. Sie glaubt, daß das 16-Milliarden-Investitionsprogramm, die Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus und die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen doch noch eine befriedigende Entwicklung der Konjunktur erwarten lassen.

Vorerst allerdings zeigt die gewerbliche Nachfrage, traditionell ein konjunkturelles Barometer, noch nicht auf Schönwetter. Nach den letzten Zahlen vom Mai verzeichneten die Unternehmen um zwei Prozent weniger Aufträge als im April. Auch die Produktion lag um diesen Prozentsatz unter dem Vormonatsergebnis. ms