Japans innenpolitische Welt ist wieder heil, die japanischen Wähler haben zum Vertrauten zurückgefunden. Den regierenden Liberaldemokraten (LDP) blieb bei den Oberhauswahlen eine weitere demütigende Niederlage erspart.

Für die konservative Regierungspartei und, ihren Chef, Ministerpräsident Fukuda Takeo, stand viel auf dem Spiel: Nach den schweren Verlusten in den Unterhauswahlen vom Dezember 1976, den heftigen innerparteilichen Machtkämpfen und einem glanzlosen Regierungsbeginn Fukudas mußte sich die LDP schon nach einem halben Jahr wieder dem Wählerurteil stellen. Es ging für die Partei um einen gesicherten Fortbestand des liebgewordenen Regierungsmonopols, während Fukuda die gerade erst mühevoll errungene Führungsposition in Partei und Regierung verteidigen mußte.

Alle drei Jahre wird je eine Hälfte der Oberhausabgeordneten neu gewählt (auf sechs Jahre). In diesem Jahr standen von 126 Mandaten der LDP 65 zur Neuwahl an, von denen sie 64 zurückerobern konnten. Zusammen mit den verbleibenden 61 Sitzen verfehlte die LDP damit zwar knapp die absolute Mehrheit der insgesamt 252 Oberhaussitze, aber „unabhängige“ Abgeordnete füllten sogleich die Reihen der Konservativen wieder auf; solche willfährigen Unabhängigen retteten auch die verlorene absolute Mehrheit der Regierungspartei nach den Unterhauswahlen 1976.

Ein Verlust der absoluten Mehrheit im Oberhaus hätte die LDP gezwungen, eine Koalition zu schließen. Zwar müssen die Konservativen schon jetzt im Unterhaus mit Absprachen und verdeckten Koalitionen operieren, weil in dreizehn Ausschüssen durch das Wahlergebnis die Mehrheitsverhältnisse zuungunsten der LDP verändert sind. Abei mit einer sieheren Oberhaus-Mehrheit im Rücken konnte Fukuda dieses Problem bis jetzt bemerkenswert glatt lösen. Mit einem oppositionsbeherrschten Oberhaus freilich wäre die Alleinregierung der LDP im bisherigen Stil unmöglich geworden.

Die Oppositionsparteien erlitten eine Niederlage. Zwar setzte sich ein Trend zur apolitischen Mitte fort, der schon in den Unterhauswahlen 1976 aus den Erfolgen der buddhistischen Komeito und der Demokratisch-Sozialistischen Partei (DSP) erkennbar wurde, aber insgesamt verschlechterte sich die Stellung der Oppositionsparteien durch hohe Verluste der Sozialisten (SPJ) und Kommunisten. Die SPJ kämpfte um 32 neu zu besetzende Mandate und konnte nur 27 Sitze zurückgewinnen, während die KPJ, die sich mit einem Aufgebot von 59 Kandidaten um neun frei gewordene Sitze bewarb, nur dürftige fünf Mandate erringen konnte. Zugewinne verzeichneten dagegen die Komeito von zehn auf 14 Sitze und die DSP von fünf auf sechs Sitze.

Die Oberhauswahlen varen auch der große Test für zwei neue Parteigruppierungen, den Neu-Liberalen Club (NLC) früherer LDP-Abgeordneter und die Sozialistische Bürgerliga (SBL), die der große alte Mann der Sozialisten, Eda Saburo, nach dem Austritt aus seiner früheren Partei im April 1977 gegründet hatte. Beide Gruppen wurden in ihren Hoffnungen enttäuscht: Der NLC konnte von 13 Kandidaten nur drei durchgingen, während von zehn SBL-Kandidaten nur einer erfolgreich war.

Dabei konnte sich der NLC weitaus bessere Chancen ausrechnen; seine Kandidaten traten mit einem sorgfältig polierten Image von gepflegter Jugendlichkeit an, um damit zu überdecken, daß sie im Grunde nur unzufriedene Jung-Konservative der LDP sind. Ihr magerer Erfolg beweist, daß auch-diese in den Unterhauswahlen so erfolgreiche Gruppe den Höhepunkt überschritten hat.