Präsident Carters Ziel: 1977 muß ein „Jahr des Friedens“ werden

Von Dietrich Strothmann

Es war, bis jetzt, ein bewegtes Jahr für den Nahen Osten; es verspricht, bewegt zu bleiben – im Sinn überraschender Wendungen und Veränderungen, die nicht unbedingt zu Wetterstürzen führen müssen, was in dieser Krisenregion Krieg bedeuten kann. Die bisher erfolgten Klimawechsel:

Amerikas neuer Präsident Jimmy Carter, der eine „offene Diplomatie“ bevorzugt, setzt alles daran, als ein Präsident in die Geschichte einzugehen, der den Nahost-Frieden brachte. Zu diesem Zweck macht er den Arabern Avancen und bereitet den Israelis Kopfzerbrechen.

In Jerusalem übernahm Menachem Begin das Amt des Regierungschefs, ein Politiker, der nahezu dreißig Jahre lang in der Opposition ausharren mußte und dem der Ruf vorauseilt, ein Super-Falke zu sein.

Der erste Höhepunkt einer neuen Entwicklung im Nahost-Konflikt: Der Amerikaner und der Israeli trafen diese Woche in Washington zusammen, um zu erproben, ob sie sich auf eine gemeinsame Friedensstrategie verständigen können. Bibelfest sind beide, der Baptist wie der Jude – doch hält sich ein jeder an jene Stellen der Heiligen Schrift, die ihm ins Konzept passen.

So gut sich Menachem Begin auf seine schwierigen Gespräche mit Jimmy Carter vorbereitete, so geflissentlich er sich vor diesem historischen Treffen auch von den amerikanischen Rabbinern stärken ließ – als ein kraftstrotzender, siegesgewisser Streiter ging er nicht in die Löwengrube. Das liegt daran, daß er vorläufig noch einer sehr schwachen Koalition vorsteht, sein Land in einer schweren Wirtschaftskrise steckt, sein Image als Annektions-Apologet abschreckt, seine Erfahrungen in der Außenpolitik gleich null sind, seine Gewandtheit im internationalen Geschäft erst noch getestet werden muß.