Am Mittwoch voriger Woche, einem feuchtheißen Abend, verschwand um 21 Uhr 34 plötzlich New York. Eine Nacht des Terrors brach an, 25 Stunden lang war die größte Stadt Amerikas, waren zehn Millionen New Yorker ohne Strom. Ein Blitz hatte in die Zivilisation eingeschlagen. „Die Bronx wurde ein Ort des Schreckens“, berichtete ein Augenzeuge, „eine Orgie der Plünderer und Brandstiftung hatte die Straßen verwüstet. Sie glichen einem Strom aus Scherben und Feuer.“ In der Bronx, an der Upper West Side, in Harlem und Brooklyn, den Gettos der Armen, der Schwarzen und Puertorikaner, wurden über 3400 Plünderer festgenommen. „Das Love-in von 1965 (New Yorks erstem blackout) wurde diesmal zu einer häßlichen Szene“, schrieb ein Kommentator. Die Finsternis der Millionenstadt rückte Amerikas brennendste innenpolitische Probleme ins Licht: Arbeitslosigkeit, Armut, Verfall der großen Städte.