Norddeutscher Rundfunk

Von Heinz Blüthmann

Für ein gewöhnliches Unternehmen wäre das Spiel aus bei diesen Daten: Das Kapital ist längst aufgezehrt, neues nicht in Sicht, und außerdem sind für die nächsten drei Jahre weitere Verluste prognostiziert, die alle bisherigen in den Schatten stellen, nämlich 300 bis 400 Millionen Mark. Doch beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), auf den diese triste Finanzdiagnose zutrifft, gelten andere Gesetze. Dort hat die Konkursüberreife den Poker erst so richtig angeheizt.

Die neue heiße Runde eröffnete in der vergangenen Woche der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg mit einem Generalangriff auf den zweitgrößten, aber auch ärmsten Sender der ARD (siehe Seite 9). Seine Ziele: das "Verfassungsgebot einer fairen und ausgewogenen Berichterstattung" und die "Beteiligung vor allem, der Zeitungsverleger am Kabelfernsehen rechtlich und tatsächlich" zu gewährleisten. Sein Mittel: Kündigung des NDR-Staatsvertrags von 1955 mit den Ländern Niedersachsen und Hamburg. Hebel und populäre Begründung: die "katastrophale Finanzlage der Anstalt".

Wohl wissend, daß seine Kritik an vermeintlich unausgewogenen NDR-Berichten nicht nur, zu politischen Fragen (Stoltenberg: "einseitig vom Marxismus geprägte sogenannte Kultursendungen") eine Kündigung des NDR-Vertrags allein kaum rechtfertigte, ließ der CDU-Landesvater deshalb einen eigens dafür gebildeten Sonderstab wochenlang nach wirtschaftlicher Munition suchen.

Allzu schwer war das nicht, denn auch der Hamburger Rechnungshof hatte schon Ungereimtheiten, vor allem im Personalbereich aktenkundig gemacht. Die daraus zusammengestellte Sündenliste, die dem Ministerpräsidenten "eindrucksvoll deutlich" machte, "daß der NDR in der Vergangenheit aus dem vollen gewirtschaftet hat", ist lang: