Von Gabriele Venzky

Es ist erstaunlich, wie wenig über die Entwicklung im Südlichen Afrika in deutscher Sprache veröffentlicht wird. Dabei läßt sich, spätestens seit dem Zusammenbruch des portugiesischen Kolonialreiches in Afrika, eines nicht mehr leugnen; Das Südliche Afrika ist dabei, Krisenherd Nummer eins in der Welt zu werden. Die ideologische und machtpolitische Konfrontation zwischen Ost und West, die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Europa, dann in Südostasien stattfand, hat sich auf den afrikanischen Kontinent verlagert.

Während die Politiker des Westens diesen Erdteil viel zu spät entdeckten – Henry Kissinger machte seine erste Afrika-Safari vor knapp eineinhalb Jahren –, hat der Kreml, aber auch China, wenngleich nicht so erfolgreich, seit Jahren zielstrebig auf „Geländegewinn“ hingearbeitet. Als billiges Vehikel diente dabei der schwarze Nationalismus, eine Kraft, die noch heute im Westen in gefährlicher Weise unterschätzt wird.

Den Schwarzafrikanern geht es Vor allem um die nationale Befreiung, Auf welchem Wege und mit welchen Mitteln das geschieht, ist ihnen gleich. Hauptsache, es geschieht überhaupt. Mocambique und Angola sind Beispiele dafür. Es wird immer wieder behauptet, die Sowjetunion treibe zum Krieg, befürworte die blutige Lösung, des Rassenkonflikts. Das ist nur halbrichtig. Zwar bietet der Kreml den Schwarzafrikanern Waffen an, weil er eigene Ziele verfolgt, und sie akzeptieren diese Waffen gern. Doch ist es auch die Haltung des Westens, die eine gewaltsame Lösung provoziert.

Vor der schwarzen Revolution

Wenngleich er die weißen Minderheitsregime nicht in jedem Fall unterstützt hat, so sind es doch die indirekte Unterstützung – durch enge wirtschaftliche Zusammenarbeit das Desinteresse der Öffentlichkeit und die Gleichgültigkeit gegenüber den Befreiungsbewegungen, die den Westen nach afrikanischer Ansicht zum Advokaten der „weißen? Sache gemacht haben.