Zürich rätselt über die Winkelzüge des Bally-Aufkäufers Werner K. Rey. Inzwischen ist er selbst in Nöten, Bally ist aus dem Schneider.

Zug um Zug hatte Werner K. Rey, Ex-IOS-Mann und Finanzjongleur, die Mehrheit des Schweizer Schuhkonzerns Bally aufgekauft, sich selbst an die Spitze gesetzt und versucht, die Vermögenswerte der Firma zur eigenen Sanierung zu nutzen. Für ihn ging die Spekulation nicht auf; denn er wurde nun genötigt, die aus Bally zugunsten seiner Syndikats AG herausgenommenen Gelder durch entsprechende Pfänder abzusichern.

Im dunkeln bleibt allerdings, wo der erst 34jährige Rey, der sein Vermögen mit rund 23 Millionen Schweizer Franken beziffert, die Gelder für den Kauf des Mehrheitsanteils bei den Schweizer Schuhmachern – der ihn zwischen 50 und 59 Millionen gekostet haben soll – lockergemacht hat. Noch 1972 hatte er in der Schweiz lediglich 30 000 Franken Vermögen versteuert. Während ihn die einen für den Strohmann einer ausländischen Finanzgruppe halten, beschuldigen ihn andere, darunter die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), ein gerissener Assetstripper zu sein, ein Firmenfledderer, der die einmal beherrschten Unternehmen ihrer wertvollsten Aktiva im Austausch gegen drittklassige Werte oder gar Nonvaleurs beraubt Rey fand aber auch Verteidiger: Der „Tages-Anzeiger“ sah ihn auf Betreiben des helvetischen Finanzestablishments in einer „Zwickmühle“.

Er selbst sieht sich als biederer, wenn auch cleverer Unternehmer, der zu Zeiten, als der Kurs der Bally-Titel nach einem Millionenverlust weit unter dem Nennwert notierte, seine Chance erkannt haben will. Doch daran hat selbst der durch die NZZ aufgescheuchte Staatsanwalt gewisse Zweifel. Inzwischen dürfte es Rey kaum mehr wohl in seiner Haut sein. Denn eines scheint seiner sinnigerweise Syndikats AG genannten Gesellschaft, über die er die Bally-Mehrheit hält, auf jeden Fall zu fehlen: das nötige Kleingeld, um im Zusammenhang mit dem Mehrheitserwerb aufgenommene Kredite zurückzubezahlen.

Um sich das zu beschaffen, hatte die Syndikats AG Ende Februar die ebenfalls mit IOS-Vergangenheit behaftete Overseas Development Bank (ODB) in Genf, die sie kaum ein Jahr im Besitz hatte, für rund 26 Millionen Franken an Bally verkauft. Neben liquiden Mitteln sprang dabei auch ein satter Gewinn von mehreren Millionen heraus. Doch die eidgenössische Bankenkommission machte Rey einen Strich durch die Rechnung, nachdem sich Anhaltspunkte dafür ergeben hatten, daß die Syndikats AG für den Bally-Mehrheitserwerb illegal eine bewilligungspflichtige Kapitalaufnahme im Ausland vorgenommen hatte: Sie entzog der Bank kurzerhand die Konzession. In die Enge getrieben, kam ein Rückverkauf zustande. Die Syndikats AG allerdings mußte den Rüdekaufpreis von 26 Millionen Schweizer Franken plus Zinsen seit Ende Februar bei Bally anschreiben lassen.

Dann kam Rey vom Regen in die Traufe. Die NZZ veröffentlichte interne Bally-Papiere, die zeigten, daß Rey nahestehende Firmen, bereits mit über 40 Millionen Franken bei der Schuhfirma in der Kreide standen. Die Bombe ließ das Blatt termingerecht am Morgen der Bally-Generalversammlung Anfang Juli platzen.

Doch selbst dem von Reys Gnaden eingesetzten Bally-Verwaltungsrat war, seit der Staatsanwalt eine Voruntersuchung aufgenommen hat, unheimlich zumute. Erst nachdem die Syndikats AG Ende vergangener Woche an Bally neben den Aktien der ODB zur Sicherung der Kredite noch 20 000 Bally-Aktien und ein Nachpfandrecht für weitere 11 900 eingeräumt hat, kann mancher der Bally-Verwaltungsräte wieder etwas ruhiger schlafen. Doch in Zürich harrt man jetzt gespannt der Dinge, die da kommen.

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