Von Josef Joffe

Die Sowjetunion gibt ihre Geheimnisse selten preis. Nur spärlich dringen nichtoffizielle Informationen aus der geschlossenen Sowjetgesellschaft nach draußen: Meistens werden sie von Dissidenten, Deserteuren, Emigranten außer Landes getragen, deren Glaubwürdigkeit von vornherein in Zweifel gezogen wird. Dissidenten sind Außenseiter, die ihre älte Heimat durch die gebrochene Optik ihres persönlichen Leidensweges sehen. Deserteure mögen über Herrschaftswissen verfügen, können aber auch vom Geheimdienst (KGB) als Desinformanten ausgesandt worden sein. Ähnlich bei Emigranteil: Wenn man sie herausgelassen hat, können sie nicht wichtig gewesen sein. Wenn sie wichtig waren warum durften sie dann ziehen?

Einen der wichtig war und gehen dürfte, ist der 46jähriger Boris Rabbot. Nach eigenen Angaben ist er ein einzigartiger Fall unter den 140 000 Juden, die in den letzten zehn Jahren der Sowjetunion den Rücken kehrten: Als Berater eines hohen Mitglieds im Zentralkomitee konnte er sich frei in den Korridoren des Kreml bewegen und dort Insider-Information über die Männer sammeln, die in Moskau Politik machen. Ihre Gedanken, Motive und (Machtkämpfe hat er jetzt in einer zweiteiligen Serie über die sowjetische Entspannungspolitik in der renommierten Washington Post geschildert.

Drei Gruppen im Machtkampf

Das Fazit seiner Analyse: Intern stets umstritten, bat die Entspannung der Sowjetunion mehr Probleme als Profit eingebracht. Drei Denkschulen konkurrierten seit Ende der sechziger Jahre um die Vorherrschaft in der sowjetischen Außenpolitik.