Hervorragend

Elkie Brooks: „Two Days Away“. Nach all den Jahren, in denen sie für verschiedene Jazz- und Rockgruppen sang und auf der Bühne bisweilen wie eine zweite Tina Turner posierte, fasziniert Elkie Brooks’ Stimme heute durch eine spirituelle Ausdruckskraft und ein Blues-Feeling, die an die großen Jahre von Aretha Franklin und Janis Joplin erinnern. Nachtclub-Melancholie, Gospel-Euphorie und Rhythm & Blues-Überschwang formuliert sie mit ihrer rauchigen Stimme gleichermaßen überzeugend. Man glaubt ihr aufs Wort, wenn sie singt: „Honey, can I put on your clothes, because it feels so good?!“ Und die zurückhaltende Sinnlichkeit, mit der sie populäre Songs wie „Do Right Woman, Do Right Man“ neu interpretiert, wirkt um so verführerischer. (A & M 28 827) Franz Schöler

Hörenswert

Joseph Haydn: „Sinfonien Nr. 99 und 101“. Gleich die Adagio-Einleitung der Nr. 101 („Die Uhr“) – und das ist typisch für die ganze Platte – klingt, als sei sie von Johannes Brahms komponiert: breit, farbig, mit verhaltener Melancholie. Leonard Bernstein und die New Yorker Philharmoniker versuchen, das alte Mißverständnis, Haydns Musik sei harmlos, zu beseitigen, indem sie mit sehr viel Klang, Elan, Vehemenz, flexibel in den Zeitmaßen, fast nervös spielen. Die Aufnahmetechnik hat zudem die Orchesterfarben gedämpft – Haydn wurde für die Romantik entdeckt. Ein zumindest interessanter Versuch, gut genug gemacht, um sich darüber zu wundern – oder zu ärgern. (CBS 76 580).

Heinz Josef Herbort

Enttäuschend

Baldassare Galuppi: Monaten für Klavier.“ Sage und schreibe 91 Opern komponierte dieser von 1706 bis 1785 lebende Venezianer – und ist auf dem Theater so gut wie unbekannt; 51 Sonaten für Cembalo – und allenfalls als Zugabe riskiert sie gelegentlich ein Pianist. Der heute 28 Jahre alte Pole Marian Migdal macht allerdings aus den ungefähr an die Bach-Söhne Carl Philipp oder Johann Christian erinnernden Stücken eher Empfindungsmusiken wie von Chopin oder Minituren wie von Mendelssohn: romantische Kleinkunst, auf dem Klavier zwar mit Delikatesse vorgetragen, aber doch stilistisch um mehr als hundert Jahre nach vorn verlegt. (Electrola 1 C 057-30718)

Heinz Josef Herbort