Muy camarada mio Kriegel! Lieber Kamerad Dr. Kriegel!

Als 1936 das spanische Volk sich Francos Fremdenlegionären und den Söldnern Hitlers und Mussolinis entgegenwarf, um die demokratischen Freiheiten in Spanien zu erhalten, ging eine Welle der Ermutigung und Hoffnung durch die Welt, daß der Weltkrieg, den die Faschisten vorbereiteten, dank des heldenmütigen spanischen Volkes nicht stattfinden würde.

In diesen Tagen und Wochen der Hoffnung eilten Tausende Amerikaner, Kubaner, Mexikaner, Brasilianer, Chilenen, Franzosen und Deutsche, Polen und Tschechen, Italiener und Skandinavier, Engländer und Jugoslawen dem spanischen Volke zu Hilfe. Zum ersten Male kämpften Sozialisten, Liberale, Kommunisten und Katholiken kameradschaftlich im Baskenland, vor Madrid, am Jarama und am Ebro. Unter den dreißigtausend Freiwilligen aus fünfzig Nationen kamen Ernest Hemingway, André Malraux, George Orwell, Gustav Regler und Hunderte verantwortungsvolle Ärzte wie Du, lieber Kamerad Kriegel, die in den Jahren des Widerstandes zahllosen spanischen Kindern und Frauen und Soldaten das Leben retteten – als das Internationale Rote Kreuz sich weigerte, des ausblutenden spanischen Volkes Wunden zu lindern.

Und es waren Waffen aus Mexiko und der Tschechoslowakei, die in den ersten Tagen und Wochen in Spanien eintrafen, als die Sowjetregierung – mit Stalin an der Spitze – noch abwartete, weil man sich in Moskau wie in London und Paris nicht vorstellen konnte, daß ein waffenloses Volk gegen die faschistischen Heere lange Widerstand leisten könnte.

Und während Spanier und die Freiwilligen aus aller Welt im faschistischen Artilleriefeuer und Luftbombardements lagen, gaben Stalin und seine Politbürokraten den Waffeninstrukteuren aus Moskau mit den ersten Waffensendungen die Parole auf den Weg nach Spanien: „Haltet euch aus dem Artilleriefeuer heraus!“ Und während die besten unserer Kameraden fielen, „sparten“ sich die „Moskauer“ wie Ulbricht, Mielke, Münnich (Flatter) für die zukünftige „revolutionäre“ Karriere auf. Erinnerst Du Dich noch, als das spanische Volk, durch die scheinheilige Neutralitätspolitik von allen legalen Handelswegen abgeschnitten, zum Hungern verurteilt wurde, während die Faschisten an den sogenannten neutralen Seekontrollen vorbei mit Waffen, Munition und Lebensmitteln beliefert wurden, zogen die „Moskauer“ Hals über Kopf im April 1938 ab und nahmen uns die Maschinengewehre weg und streuten das Gerücht aus, die Anarchisten hätten die Waffen gestohlen.

Wer den Verrat der „Moskauer“ in Spanien sehenden Auges erlebt hat, der begriff, daß Rußland nicht das revolutionäre Land war, wie es die internationale Arbeiterklasse geglaubt hatte. Nach den Schauprozessen gegen Bucharm, Kamenew, Radek und Tuchaschewski 1937 und der Liquidierung aller aufrechten polnischen, deutschen, jugoslawischen Kommunisten in Rußland und der Liquidierung der Wissenschaftler, die gegen die asiatische Restauration durch Lenin und Stalin und gegen die monopolpolitische Bürokratenklasse gekämpft hatten, war es für jeden Einsichtigen der internationalen Freiwilligen klar, daß die „Sowjet-Union“ den Polen, Deutschen, Ungarn, Bulgaren, Rumänen und Tschechen nur die allgemeine Staatssklaverei statt der erhofften Freiheit bringen konnte.

Die Schauprozesse in Ungarn gegen die ungarischen Spanienfreiwilligen und in der Tschechoslowakei gegen die tschechischen Kameraden vor allem haben gezeigt, daß der imperialistische Drang der russischen Bürokratenklasse alle demokratischen Freiheiten und Menschenrechte, niederzuwalzen bestrebt ist, um die Privilegien der despotischen Bürokratie zu erhalten.