Von Rudolf Herlt

Open mouth policy“ nannte ein europäischer Notenbankpräsident kürzlich das Verhalten der amerikanischen Regierung gegenüber dem Dollar. Er spielte damit auf das ständige Gerede des amerikanischen Finanzministers W. Michael Blumenthal an, der nicht müde wird, den Japanern, Deutschen, Schweizern und Holländern eine Höherbewertung ihrer Währungen zu empfehlen.

Schon Ende Mai hat Blumenthal auf einer Konferenz in Tokio gefordert, die Überschußländer sollten als Beitrag zur Stabilisierung der Weltwirtschaft ihre Überschüsse in den Leistungsbilanzen abbauen und in Defizite umwandeln. Das Mittel dazu hätte nach den Vorstellungen Blumenthals eine stärkere Expansion in den Überschußländern sein sollen. Über steigende Inlandspreise, so wünschte er, würde sich dann deren Wettbewerbslage auf den Weltmärkten verschlechtern, während ihre Nachfrage nach Einfuhrwaren steigen würde.

Blumenthal redete, als ob es den Wirtschaftsgipfel von London nie gegeben hätte. Dort war vereinbart worden, daß Länder mit Überschüssen in der Leistungsbilanz ihre Binnennachfrage „innerhalb vernünftiger Grenzen“ auszuweiten hätten. Die Grenzen sollten aber so gezogen werden, daß die Expansion nicht zu einem neuen Inflationsschub führt.

Insbesondere die Bundesregierung war nicht bereit, den Blumenthalschen Rezepten zu folgen. Sie blieb bei ihrer Absicht, ein Wachstum von fünf Prozent anzusteuern. Der Bundeskanzler hat sich jedoch in London, das Einverständnis abringen lassen, daß die Bundesregierung der Wirtschaft weitere Stimulanzien verabreichen werde, falls das Fünf-Prozent-Ziel nicht erreicht wird.

Bald wurde offenbar, daß es nicht erreicht werden kann. Das revidierte Ziellautet nun 4,5 Prozent, aber von weiteren Ankurbelungsmaßnahmen war in Bonn vor der Sommerpause nichts zu hören. Das ermunterte Michael Blumenthal, seine Forderungen zu wiederholen. Im Juni hat er vor der OECD in Paris in alter Schärfe mehr Expansion und den Abbau der Überschüsse durch höhere Importe gefordert.

In einem Interview schob er die Begründung nach. Die letzten Monate hätten gezeigt, daß einige Länder – nicht nur die Bundesrepublik – hinter ihren Zielprojektionen zurückblieben. Was den europäischen Notenbankpräsidenten aber besonders auf die Nerven ging, war der Stolz, mit dem Blumenthal auf das für dieses Jahr erwartete Handelsbilanzdefizit der USA von 25 Milliarden Dollar und auf den Fehlbetrag von zwölf Milliarden Dollar in der Bilanz der laufenden Posten (Waren und Dienstleistungen) hinwies, Mehr noch: Er empfahl diese Politik den Ländern mit starken Währungen zur Nachahmung.