Drei australische Filme im ARD-Programm: „Picknick am Valentinstag“ von Peter Weir (24. Juli); „Männer ohne Sonntag“ von Ken Hannam (29. Juli); „Eine Frau geht ihren Weg“ von Donald Crombie (30. Juli)

Das Land ist so groß wie die USA (ohne Alaska), doch bewohnt wird es nur von 13 Millionen Menschen. Davon leben allein zehn Millionen in den Hauptstädten der einzelnen Bundesstaaten entlang der Küsten, voneinander getrennt bis zu 4000 Kilometer durch Wüste und Halbwüste. So wiederholt sich die Isolation Australiens von der Welt noch einmal innerhalb des Landes. Bei dieser ungünstigen geographischen und ökonomischen Situation erscheint weniger die Qualität des neuen australischen Films wie ein Wunder als überhaupt die Existenz einer prosperierenden Filmindustrie.

Außer zwei kurzen Perioden – zu Beginn der Stummfilm- und zu Beginn der Tonfilmzeit – gab es keine nennenswerte australische Filmproduktion. Ausländische Produzenten und Regisseure nutzten das Land als exotischen Hintergrund: von Harry Watts „Das große Treiben“ bis zu Tony Richardsons „Kelly, der Bandit“ mit Mick Jagger. Zwei Filmkonzerne, Rank in London und Twentieth Century Fox in Hollywood, hielten die ehemalige Sträflingskolonie wie eine Filmkolonie: Noch heute kontrollieren die beiden Gesellschaften den Filmverleih und besitzen – je nach Region – 75 Prozent bis 100 Prozent der Kinos. Beide unterdrückten erfolgreich, jeden noch so zaghaften Versuch eines eigenständigen australischen Films: Sie wollten ungestört ihre eigenen Produkte vermarkten, und das zu überhöhten Preisen.

Nur der – allerdings gescheiterte – Versuch der Labour-Regierung unter Gough Whitlam in den frühen siebziger Jahren, dieses würgende Kartell per Gesetz zu unterbinden (wie es die USA vorexerziert hatten), ließ die beiden Konzerne vorsichtiger taktieren: Sie öffneten ihre Kinoketten dem neuen australischen Film und verdienen inzwischen ganz gut daran. Erst durch diese Öffnung wurde die 1969 eingeführte staatliche Filmförderung effektiv. Heute investiert der Staat über die Australian Film Commission in Sydney jährlich runde 27 Millionen Mark in den Film und fördert damit vom nichtkommerziellen Avantgarde-Film bis zum kommerziellen Kinofilm, von Filmseminaren bis zu staatlichen Filmdokumenten nahezu alles, was in Australien außerhalb des Fernsehens gedreht wird. Letzteres war, wenn auch indirekt, die zweite große Starthilfe für den australischen Film: Regisseure, Kameraleute, Techniker kommen überwiegend vom Fernsehen.

Drei stilistisch und thematisch sehr unterschiedliche Beispiele dieses neuen australischen Films zeigt die ARD konzentriert in diesem Monat: den lyrischen Horrorfilm „Picknick am Valentinstag“ am 24., den harten Männerfilm „Männer ohne Sonntag“ am 29. und den melodramatischen Frauenfilm „Eine Frau geht ihren Weg“ am 30. Juli.

„Männer ohne Sonntag“ (Sunday Tod Far Away), 1974 gedreht, war der erste dieser rein australischen Filme, der über die eigenen Landesgrenzen hinaus Beachtung und Anerkennung fand. Er berichtet vom Leben und der Arbeit einer Gruppe Schafscherer, ihren Hoffnungen und Ängsten, ihren Anstrengungen und Vergnügungen – eine Männerwelt zwischen Arbeit und Feierabend, zwischen Whisky und Tod, die einem Hawks-Film zur Vorlage hätte dienen können. Doch der fernseherprobte Regisseur Ken Hannam zeigt sich in seinem ersten Kinofilm noch zu unentschieden, verliert sich zu oft in Nebensächlichkeiten und läßt die vorwärtstreibende, zwingende Kraft vermissen, die dem Thema angemessen wäre.

Gleichwohl dokumentiert „Männer ohne Sonntag“ einen beachtlichen Erfolge weil er die australischen Menschen und die australische Landschaft für die Leinwand entdeckte. Mit keinem anderen Film haben sich die Australier bislang so identifizieren können wie mit diesem (obwohl der Amerikaner Fred Zinnemann seinen Film „Der endlose Horizont“ auf derselben Schaf-Farm gedreht hatte). „Männer ohne Sonntag“ spiegelt die Sehnsucht nach einem freien, unbändigen, männlichen Leben in den „Outbacks“, dem riesigen, wüstenähnlichen Hinterland, in ähnlicher Weise wider, wie es der Western für die Amerikaner tut. Neben Jack Thompson, dem bislang einzigen australischen Star von internationalem Format, sorgt eine ausgezeichnete Besetzung für genügend Identifikationsmöglichkeiten.