Beachtlich

„Liebe und andere Verbrechen“ von John Korty, der in Amerika vor allem durch seinen Fernsehfilm „The Autobiography of Miss Jane Pittman“ bekannt wurde und vor fünf Jahren in Cannes das Sciencefiction-Märchen „The People“ zeigte. „Liebe und andere Verbrechen“ (Originaltitel: „Alex and the Gypsy“) ist seine erste große Hollywood-Produktion. Deutsche Zuschauer können der Handlung kaum folgen, weil sie auf einer Spezialität des amerikanischen Rechtssystems beruht. Jack Lemmon spielt einen „bailbondsman“, der davon lebt, Häftlingen eine Kaution zu stellen. Natürlich läßt er sich von seinen Klienten bezahlen, doch wenn sich einer entschließt, nicht ins Gefängnis zurückzukehren, haftet der „bailbondsman“ für die gesamte Kautionssumme. Um diese Situation herum hat Korty eine tragikomische Liebesgeschichte zwischen Lemmon und einer unberechenbaren Zigeunerin (Genevieve Bujold) konstruiert. Der Film läßt sich nicht auf eine Stimmung festlegen, ist sowohl das Porträt einer „midlife crisis“ als auch eine Milieustudie, manchmal eine Farce, dann wieder ein romantisches Drama. Korty bekommt den Stoff nie recht in den Griff, aber viele Sequenzen besitzen emotionale Kraft und stilistische Originalität.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Mohammed – Der Gesandte Gottes“ von Moustapha Akkad, die erste Mammutproduktion über die Entstehung der islamischen Glaubenslehre, beschreibt die letzten zwanzig Lebensjahre (610–632 n. Chr.) des Religionsgründers. Nach jahrelangen Vorbereitungen (jede Seite des Drehbuchs mußte von führenden Koran-Experten abgesegnet werden) drehte Akkad mit immensem Kostenaufwand: auf den Knien, wie es scheint. Die 20 Millionen Dollar dieser „Arab International Productions“ kamen aus Kuweit, Marokko und Libyen. Dennoch wurde der Film in Ägypten verboten, kam es im Westen zu heftigen Protesten gegen die Vorführung, wurde der Film deshalb bereits am letzten Wochenende in mehreren deutschen Städten wieder abgesetzt. Daß in strikter Auslegung der islamischen Glaubenslehre auf die bildliche Darstellung Mohammeds verzichtet wird, erweist sich als fatal für die filmische Dramaturgie. Der religiöse Rigorismus zeitigt Szenen von unfreiwilliger Komik, wenn man vom Protagonisten nur die Spitze seines Schwertes zu sehen bekommt oder bestenfalls sein Kamel, wenn die Dialoge ins Leere zielen und die Akteure immer angestrengt seitlich an der Kamera vorbei auf einen unsichtbaren Propheten starren. Trotz des beachtlichen Aufgebots versierter Könner – von Kameramann Jack Hildyard („Die Brücke am Kwai“) bif zum Action-Spezialisten Andrew Marion (das Wagenrennen in „Ben Hur“) – ist das Resultat kein episches Fresko, sondern bestenfalls ein respektvoller Religionsunterricht, in dem die beiden Action-Szenen der Schlachten von Bedr und Uhud als willkommene Oasen einer dreistündigen Durststrecke wirken. Daß der amerikanisierte Syrer Moustapha Akkad einmal Assistent bei Sam Peckinpah war, mag man kaum glauben. Seine Inszenierung erinnert eher an einen morgenländischen Cecil B. DeMille und besitzt soviel Tempo wie ein altersschwaches Kamel, das durch eine endlose Wüste zockelt.

Helmut W. Banz

„Die blutigen Spiele der Reichen“ von Franco Martinelli. In „Rom – das andere Gesicht der Gewalt“ (so der Originaltitel) versucht Martinelli („Decamerone proibitissimo“, 1972), das Soziogramm einer zerrissenen Stadt zu zeichnen. Mehr als eine oberflächliche Konfrontation von Slums und Schickeria, bei der sich die Genremuster des italienischen Kriminal-Reißers mit einer kräftigen Portion Familienmelodram, Generationskonflikt und Selbstjustizdrama verbinden, ist daraus nicht geworden. Die Ambitionen ersticken in Klischees. Erst gegen Ende gelingen Martineiii einige einprägsame Szenen: wenn sich die vielen Motive melodramatisch zuspitzen. Helmut W. Banz