Amerikas größter Stahlproduzent klagt gegen „Unfaire Subventionen“

Von Horst Kerlikowsky

Präsident Carters Sonderbeauftragter für Handelsfragen, Botschafter Robert Strauss, kämpft für europäische Interessen. Er sieht durch einen amerikanischen Konzern „das ganze Welthandelssystem bedroht“, wirft ihm vor, „unbegreiflich“, ja „unverantwortlich“ zu handeln und „ein weltwirtschaftliches Chaos heraufzubeschwören“. Die aggressiven Worte kamen nicht spontan; sie waren wohl vorbereitet und überlegt; sie galten der U. S. Steel Corporation.

Das größte amerikanische Stahlunternehmen versucht in einer Zeit, in der Strauss bei internationalen Konferenzen für einen freien Welthandel plädiert, die Auslandskonkurrenz mit Hilfe der Richter loszuwerden – und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn in einem anderen Fall haben die Richter bereits gegen die lästigen Ausländer entschieden.

Der Fernsehgerätehersteller Zenith Radio Corp. hat sich kürzlich vor einem Zollgericht in New York bestätigen lassen, daß die in Japan praktizierte Rückerstattung einer Rohstoffsteuer eine Exportsubvention sei, die die amerikanische Regierung auf Grund eines Gesetzes von 1974 (Trade Act) zur Einführung eines Ausgleichszolls (Countervailing Duty) zwingt.

Sündenfall Montanvertrag

In einer heftigen Gegenattacke werfen 18 japanische Hersteller nun Zenith den Versuch vor, mit falschen Anschuldigungen ein Quasi-Monopol anzustreben. Sie legten der Antitrust-Behörde in Washington dicke Schriftsätze vor. Doch das ändert – vorläufig jedenfalls – das Urteil nicht. Die Regierung selbst hat gegen das Urteil Revision zwar auch eingelegt und eine Aussetzung des Ausgleichszolls angeordnet; doch Strauss fürchtet: „Wir haben nur eine 50:50-Chance.“