Er schaffte eben so die Oberschule und dachte nie daran, auf die Universität zu gehen. Dennoch löste er eine wissenschaftliche Revolution aus.

Seine patentierten Erfindungen sind dabei, Multi-Milliarden-Märkte zu erobern. Aber er hat mehr als zwanzig Millionen Dollar Schulden, seine kleine Firma machte nur einmal in siebzehn Jahren Gewinn und wäre letztes Jahr beinahe eingegangen.

Er veröffentlichte einen heiß diskutierten Forschungsbericht in der angesehenen Gelehrtenzeitschrift Physical Review Letters, hielt Vorträge in der Sowjetunion und empfing 1968 die wertvollste deutsche Erfinderauszeichnung, die Goldene Diesel-Medaille. Trotzdem ist er für die etablierte akademische Welt immer noch ein Außenseiter.

Stanford Robert Ovshinsky, 54, in Amerika geborener Sohn armer jüdischer Emigranten aus Litauen, ist ein Mann voller Widersprüche. Vor acht Jahren versuchte die amerikanische Wissenschaftszeitschrift Science, den kontroversen Erfinder zu porträtieren: „Für seine Kritiker ist er gewöhnlich ein aalglatter Schwindler und Spekulant. Seine Anhänger aber beschreiben ihn als unterdrücktes Genie, das von den Befürwortern eines Statut quo in Wissenschaft und Industrie drangsaliert wird.“

Jetzt scheint das widersprüchliche Genie offenbar über den Berg zu kommen. Anfang Juli enthüllte Ovshinsky im schottischen Edinburgh vor den Teilnehmern der „Siebten internationalen Konferenz über amorphe und flüssige Halbleiter“ seinen jüngsten Knüller: Er habe neuartige Solarzellen entwickelt, die Sonnenlicht und Wärmestrahlung rund zweihundertmal billiger als herkömmliche Siliziumkristalle in Elektrizität umwandeln können – und die damit Strom von der Sonne konkurrenzfähig machen würden. „Das könnte der Durchbruch sein, auf den die Sonnenenergie-Enthusiasten gewartet haben“, kommentierte die Londoner Times.

So unglaublich sich Ovshinskys Ankündigung auch ausnehmen mag, sie ist für Kenner der Materie keine Überraschung mehr. Denn der Clou von Edinburgh ist nur das jüngste Glied in einer Kette von erstaunlichen Entwicklungen auf dem Gebiet der halbleitenden Materialien (und damit der gesamten Elektronik), die Stanford Ovshinsky in den letzten zwanzig Jahren quasi im Alleingang schaffte.

Zäh hatte der wissenschaftliche Außenseiter mit Stoffen experimentiert, denen etablierte Festkörperphysiker jede Nutzanwendung für die Elektronik absprachen: sogenannte amorphe („ungeordnete“ Halbleiter