Ludwig Bölkow muß am Jahresende seinen Chefstuhl beim größten deutschen Luft- und Raumfahrtkozern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) räumen. Auch der Verkauf der meisten, seiner Anteile an den Freistaat Bayern Anfang des Monats nützte nichts.

MBB-Aufsichtsrats-Vorsitzender Ludwig Huber, bis vor kurzem Bayerischer Finanzminister und nun Präsident der Bayerischen Landesbank, stimmte, zusammen mit dreizehn weiteren Mitgliedern des Gremiums gegen Bölkow. Zwei andere weiß-blaue Aufsichtsräte sprachen sich für ihn aus. Denn Hubers Nachfolger als Finanzminister, Strauß-Protegé Max Streibl, hatte Bölkow möglicherweise zugesagt, daß er sich für sein Verbleiben stark machen wolle.

Aber ist das für ein Urteil so wichtig? Für eine Verabschiedung Bölkows mit 65 mögen: gute Gründe sprechen. Doch daß Huber noch vor einer Woche vor Journalisten andeutete, er strebe einen Kompromiß an und plädiere für eine Verlängerung des Bölkow-Vertrages bis Mitte 78, ist doch höchst irritierend. Hat Huber nun zum zweitenmal sein Gesicht verloren, indem er den Industrie- und Arbeitnehmer Vertretern im Aufsichtsrat zuneigte? Auch Unternehmens-Strategie will gelernt sein. (Siehe auch S. 22)