DIE ZEIT

FDP-Dilemma

Bei Lichte betrachtet, ist der wirtschaftspolitische Streit in der FDP eine Spätfolge der Traube-Affäre. Hätte sich Maihofer nicht darin verheddert, so hätte er Vorsitzender der Perspektiv-Kommission bleiben können; wäre er dies geblieben, hätte sich das Kommissionspapier auf Staats- und Gesellschaftspolitik konzentriert und wäre nicht Friderichs ins Gehege gekommen; hätten die Perspektiv-Kommissare nicht über den Zaun gefressen, wäre der Streit nicht in solcher Schärfe ausgebrochen (Siehe auch Seite 19).

Bayern vorn

Bayern hat ein fatales Richtmaß gesetzt. Ohne Aussprache, im Eilverfahren und mit überwältigender Mehrheit haben die bayerischen Abgeordneten die Konsequenz aus dem Verfassungsgerichtsurteil zur Rechtsstellung der Abgeordneten gezogen und ihre Einkünfte denen der Bonner Parlamentarier angepaßt: Bundestagsregelung minus zehn Prozent – so etwa heißt die bayerische Faustregel.

Vor dem nächsten Ölschock

Die Stockholmer Opec-Konferenz ist glimpflich abgelaufen: Dieses Jahr gibt es keine weitere Erhöhung des Erdölpreises, mit einigem Glück vielleicht auch im nächsten Jahr nicht.

Bombenalarm

Viele Menschen in der ganzen Welt haben in diesen Tagen Ähnliches empfunden wie Egon Bahr, dessen „Gefühl und Gewissen“ gegen die Neutronenbombe rebellierten, so sehr, daß er noch aus dem Urlaub seinen Fluch gegen die Todesstrahlen schleuderte, die uns womöglich ins Haus stehen.

Mirakel oder Bluff?

Den britischen Kollegen Callaghan unterrichtete Helmut Schmidt telephonisch über seine Gespräche in Washington und Ottawa; Giscard d’Estaing traf er anschließend – wie schon vor der Reise verabredet – im Elsaß.

Zeitspiegel

Die Schüler in der Bundesrepublik werden über den Widerstand im Dritten Reich nur mangelhaft unterrichtet, obschon überreichlich Lehrmaterial vorhanden ist, zum Teil sogar von höchster Qualität.

Enthüllungen aus dem Kreml: Die Erzählungen des Boris Rabbot

Die Sowjetunion gibt ihre Geheimnisse selten preis. Nur spärlich dringen nichtoffizielle Informationen aus der geschlossenen Sowjetgesellschaft nach draußen: Meistens werden sie von Dissidenten, Deserteuren, Emigranten außer Landes getragen, deren Glaubwürdigkeit von vornherein in Zweifel gezogen wird.

Spanien: Einübungen in die Vernunft

Viele Abgeordnete fanden ihre Plätze nicht, weil sie noch nie das graubraune Gebäude der Cortes betreten hätten; einige kannten sich darin aus früheren Zeiten zwar gut aus, aber auch sie schienen verwirrt, denn die erste Sitzung eines frei gewählten spanischen Parlamentes seit vierzig Jahren brachte mancherlei Überraschungen: Kommunisten schüttelten Neofranquisten freundlich die Hände und stimmten später mit ihnen zusammen; Regionalisten plauderten.

Nahost-Gespräche: Begin in der Löwengrube

Es war, bis jetzt, ein bewegtes Jahr für den Nahen Osten; es verspricht, bewegt zu bleiben – im Sinn überraschender Wendungen und Veränderungen, die nicht unbedingt zu Wetterstürzen führen müssen, was in dieser Krisenregion Krieg bedeuten kann.

Eurokommunismus: Spaltpilz im Ostblock

Ob der Eurokommunismus wirklich will, was er verkündet, steht dahin – einen Erfolg, den er angeblich nicht wollte, hat er bereits erzielt: Unter den osteuropäischen Kommunisten wirkt er als Spaltpilz.

Historischer Kompromiß: Römisches Sextett

Noch einmal zu übersommern und wahrscheinlich auch weit ins Jahr 1978 zu überwintern – wer hätte das vor einem Jahr, als Italien nach den Wahlen unregierbarer denn je erschien, einer christdemokratischen Alleinregierung zu prophezeien gewagt? Seit Ende letzter Woche spricht alles dafür, daß Giulio Andreotti dieses Kunststück gelingen wird.

Bücher zum Schwarz-Weiß-Konflikt

Band 6: Leonhard Harding: „Die Politik der Republik Südafrika. Eine Strategie der regionalen Kooperation“; 1975; 184 S., 19,50 DM Band 7: Reinhard Rode: „Die Südafrika-Politik der Bundesrepublik Deutschland 1968–1972“; 1975; 371 S.

Südliches Afrika: Der nächste Krieg kommt bestimmt

Es ist erstaunlich, wie wenig über die Entwicklung im Südlichen Afrika in deutscher Sprache veröffentlicht wird. Dabei läßt sich, spätestens seit dem Zusammenbruch des portugiesischen Kolonialreiches in Afrika, eines nicht mehr leugnen; Das Südliche Afrika ist dabei, Krisenherd Nummer eins in der Welt zu werden.

Blackout in New York

Am Mittwoch voriger Woche, einem feuchtheißen Abend, verschwand um 21 Uhr 34 plötzlich New York. Eine Nacht des Terrors brach an, 25 Stunden lang war die größte Stadt Amerikas, waren zehn Millionen New Yorker ohne Strom.

Kein Guillaume-Austausch

Nur eines ist an dem Fall klar: Die Bundesregierung denkt nicht daran, den Kanzleramtsspion Günther Guillaume und seine Frau Christel gegen den in der Sowjetunion geborenen, in die USA geflüchteten und nun spurlos verschwundenen Nikolai F.

Deutsche an die Nato-Spitze

Stärkere Beteiligung an der militärischen Führung des Bündnisses ist seit langem eine Bonner Forderung an die Nato. Die Deutschen stellen der Nato die größte Landstreitmacht und die zweitgrößte Luftwaffe in Mitteleuropa; zudem sind sie für die Ostseeausgänge hauptverantwortlich.

Kernfrage Kernenergie

Die Jungsozialisten haben auf ihrem Energiekongreß in Frankfurt die Energiepolitik der Bundesrepublik angegriffen. Man wolle, es darüber nicht zum Bruch mit der SPD kommen lassen, verlange aber eine „für alle vertretbare“ Linie und eine Alternative zur gegenwärtigen Wachstumspolitik.

BONNER BÜHNE: Grausen vor Teppichhandel

Die letzte Runde im Streit um das Steuerpaket bescherte den Bonher Beobachtern ein nicht alltägliches Erlebnis: Bundesfinanzminister Apel bedankte sich bei seinem bayerischen Kollegen Streibl für Schützenhilfe.

Stoltenbergs gefährliches Spiel

Es war schon lange das gleiche garstige Lied beim NDR: Die CDU rügte den Intendanten "wegen politischer Unausgewogenheit", die SPD rügte die CDU "wegen politischer Willkürakte".

Kieler Killer

Rundfunk ist Ländersache und muß pluralistisch betrieben werden. Dieser gültige, weise und schwammige Spruch stammt vom Bundesverfassungsgericht.

Das Schreckensbild vom "roten Funk"

Die Drohung aus Kiel beginnt erst langsam ihre Schrecken zu verbreiten. Vielleicht liegt es an der Unfaßbarkeit des Geschehenen, vielleicht auch an der sommerlichen Lässigkeit der Betroffenen: Die Absichtserklärung von Ministerpräsident Stoltenberg, den Staatsvertrag über den Norddeutschen Rundfunk zu kündigen, bringt im Sender noch niemanden um seinen Schlaf.

Der Spuk am Vidova Gora

Die Fähre legt an vor der Bilderbuchkulisse von Supetar, dem Hauptort der Insel Brač: Farbenfrohe Fassaden von Bürgerhäusern und Verwaltungsgebäuden, die lebhaft an ihre K.

Europa-Sportregion: Touristischer Supermarkt

Als Tummelplatz für Aktivurlauber verkauft sich die Europa-Sportregion im Salzburger Land. Dabei wäre es eigentlich schon genug, allein der Landschaft wegen nach Saalbach, Kaprun oder Zell am See zu fahren.

Honda GL 1000 Gold Wing: Wie de Wuildn

Den freundlichen Motorradfahrer erkennt man schon lange nicht mehr an den Fliegen zwischen seinen Zähnen. Das Lächeln trägt er jetzt unter Glas – im Integralhelm.

RECHT

Eine zwar nicht gänzlich irreführende, aber zumindest ungenaue Formulierung im Katalog von Interkontinental Reisen ISTS mußte der Münchner Veranstalter jetzt zugunsten einiger Kunden teuer bezahlen: Er hatte das Hotel „Beau Rivage“ in Glyfada, 18 Kilometer südlich von Athen, mit dem Zusatz „in Flughafennähe“ beschrieben.

Flußkreuzfahrten (II): à la carte

Fine Flotte von acht modernen Kabinenschiffen ist auf dem Rhein von April bis Dezember zu mehrtägigen Kreuzfahrtreisen unterwegs (Übernachtung an Bord).

Neue Prospekte

„Exklusive Kreuzfahrten" auf den Luxusschiffen „Sagafjord", „Vistafjord" und „Prinsendam bieten die Hanseatic Tours (Neuer Wall 54, 2000 Hamburg 36) von Oktober bis April an.

UMWELTSCHUTZ

Im Gemeindeamt von Bederkesa (nordöstlich von Bremen) ist eine Urkunde aus dem Jahre 1692 ausgegraben worden, die jedem Hochzeitspaar vorschreibt, der Gemeinde mehrere Eichen und Buchen zu stiften.

Wer das Wasser lesen kann

Ein ungewöhnlicher Platz zum Angeln, möchte man meinen, angesichts der heftigen Brandung, des stark bewegten Wassers. Angelsportler freilich, die das „Wasser lesen“ können, werden wissen, was den Mann und das Meer hier bindet.

Südtirol - San Marino am Brenner?

Es ist wie im Heimatfilm: Windgetriebene Wolken werfen ihre Schatten auf die Berge um Meran. In die biederen Klänge des Kurkonzertes schleicht sich kaum ein Mißton.

Das unbequeme System

Der Streit innerhalb der FDP um die Energie- und Wirtschaftspolitik, die Auseinandersetzungen innerhalb der Union über die notwendigen Maßnahmen zum Abbau der Arbeitslosigkeit, der permanente gesellschaftspolitische Konflikt innerhalb der SPD nehmen mit jeder neuen Hiobsbotschaft vom Arbeitsmarkt an Schärfe zu.

Ein Elefant im Boot

Open mouth policy“ nannte ein europäischer Notenbankpräsident kürzlich das Verhalten der amerikanischen Regierung gegenüber dem Dollar.

Friedhelm Gröteke aus Rom: Italienisches Wunder

Auf den sieben Hügeln der ewigen Stadt ist man zur Zeit gar nicht so pessimistisch. Was nämlich niemand und am allerwenigsten die Römer selbst für möglich gehalten haben, ist eingetreten: Die Italiener bezahlen wie durch ein Wunder auf einmal brav ihre Steuern.

Bonner Kulisse

Die Abgeordneten der Beiden für die Verteidigung und die Verteidigungsgelder (Haushalt) zuständigen Bundestagsausschüsse werden sich dieser Tage über eine Pressemeldung aus Amerika wundern.

Forschung: Hilfe für Kleine

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat bestätigt, daß die staatlichen Forschungsmittel überwiegend an Großunternehmen geflossen sind.

Bayern: Hubers Umfall

Ludwig Bölkow muß am Jahresende seinen Chefstuhl beim größten deutschen Luft- und Raumfahrtkozern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) räumen.

Großbritannien: Politik am Abgrund

Großbritanniens Ärzte und Schiffsoffiziere haben nicht den Ehrgeiz, die ideologische Vorhut der Arbeiterklasse zu sein. Aber sie sind entschlossen, beim Kampf um Geld an der Spitze der Schlange zu stehen, die sich jetzt formiert und darauf wartet, daß sich Ende Juli die Tür der Lohnkontrollen zum Tummelplatz der Tariffreiheit öffnet.

Concorde: Zum Lunch nach Washington

Hat einer, sagen wir: ein Topangestellter einer amerikanischen Ölfirma, das nötige Kleingeld, so um die 3600 Mark, dann kann er, fast in einem Rutsch, aus der morgendlichen Hitze des Golf-Staates Bahrain via London nach nur knapp sechs Stunden in einem Washingtoner Restaurant seine Serviette zum Lunch umbinden – nach einem Flug immerhin um beinahe die halbe Erde.

Das Kapital steht links

Auch die geplante Gebührenerhöhung deckt die Riesenverluste der Anstalt nicht

Immobilienfonds: Schweizer schleifen Schwabylon

Wir streben zwar nicht gerade den Kulturpreis der Stadt München an“, witzelte der Pressesprecher der Winterthur-Versicherung, Norbert Poth, „aber wir leisten gern einen Beitrag, daß das Ding wegkommt.

Atompolitik in den USA: Jimmy Carters Träume welken

Der Sprecher des „Westinghouse-Konzerns“ in Pittsburgh schien gutgelaunt zu sein: „Haben Sie gehört, daß die Europäer ein Kooperationsabkommen zur Weiterentwicklung und Vermarktung des Schnellen Brüters geschlossen haben?“ fragte er den Anrufer freudig.

Agrarpolitik: Unfall am Milchpulverberg

Aus "Protest" gegen die verfehlte Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft (EG) hatte Petrus Josephus Lardinois, von 1973 bis 1976 in der Brüsseler EG-Kommission für das grüne Europa zuständig, vor knapp einem Jahr seinen Rückzug aus der EG-Politik angekündigt.

Alle Macht der Basis

In linken Köpfen spuken bereits Siegesvisionen. Wenn im März 1978 die Regierung geschlagen die Stätte des Wahlkampfes räumt, dann werden sich auf den Straßen und Plätzen des Landes wahre Volksfeste abspielen.

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