Von Jes Rau

Der Sprecher des „Westinghouse-Konzerns“ in Pittsburgh schien gutgelaunt zu sein: „Haben Sie gehört, daß die Europäer ein Kooperationsabkommen zur Weiterentwicklung und Vermarktung des Schnellen Brüters geschlossen haben?“ fragte er den Anrufer freudig. Damit sei der außenpolitische Teil der Nuklearpolitik von Präsident Carter „zusammengebrochen“, womit die Wahrscheinlichkeit gestiegen sei, daß auch der innenpolitische Teil des Programms im Kongreß scheitern werde.

Die gute Laune bei Westinghouse über die Abfuhr ihres Präsidenten bei den Europäern zeigt, daß der amerikanischen Nuklearindustrie klargeworden ist, daß sie mit der Konkurrenz in Frankreich und der Bundesrepublik in einem Boot sitzt. Mochten sich die Manager bei General Electric und Westinghouse auch anfangs die Hände gerieben haben über die Versuche Jimmy Carters, ihren deutschen Konkurrenten das milliardenschwere Atomgeschäft mit Brasilien und den Franzosen ihr Geschäft mit Pakistan auszureden – diese Genugtuung ist schnell der bestürzenden Einsicht gewichen, daß Carters Nuklearpolitik auch die eigene Zukunft zu verdunkeln droht.

In einer Erklärung zur Nuklearpolitik am 7. April und in seinerenergiepolitischen Ansprache vor dem Kongreß am 20. April sagte Carter zwar

  • ja zur konventionellen Leichtwasser-Reaktortechnik, aber
  • nein zum Brüter-Reaktor und dem gesamten auf der Spaltung von Plutonium beruhenden Brennstoff-Kreislauf.

Die von Carter verfolgte Nuklearpolitik läßt sich in folgenden Programmpunkten zusammenfassen:

1. Das Genehmigungsverfahren für den Bau konventioneller Leichtwasser-Reaktoren in den USA, das sich wegen der Einsprüche von Umweltschutzgruppen oft über zehn Jahre hinzieht, muß verkürzt werden, um Engpässe in der Energieversorgung zu verhindern.