„Das Mikroskop“, von Joel de Rosnay. Werbeträchtiges Lob von bestsellernden Kollegen findet sich auf der Rückseite und im Vorwort dieses graphisch anschaulich gestalteten Sachbuches; doch was Zukunftsforscher Robert Jungk und Biochemiker Frederic Vester da preisen, das sind – genauer betrachtet – gar keine großartigen Neuigkeiten. Denn gerade diese beiden Autoren verweisen ja schon seit Jahren in ihren vielgelesenen Veröffentlichungen immer wieder auf Zusammenhänge zwischen natur- und sozialwissenschaftlichen Bereichen. Der französische Biologe de Rosnay plädiert ebenfalls für ein „Neues Weltverständnis durch Biologie, Ökologie und Kybernetik“, so der Untertitel des Buchs; und das Makroskop ist dabei „ein Instrument symbolischer Art: der Inhalt aller Methoden und Techniken, die äußerst unterschiedlichen Disziplinen entlehnt sind“. Mit seiner teils vereinfachenden Schrift – ausgestattet mit einer unzuverlässigen Bibliographie und einem kaum brauchbaren Register – will der Verfasser zu einer erneuten Diskussion über die Gestaltung unserer Zukunft anregen, wobei seine futurologische Wettervoraussage lautet: vorwiegend heiter! (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1977; 264 S., 28,– DM)

Werner Hornung

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„Salomo Ibn Gabirol/Ostwestliches Dichtertum“, von Frederick P. Bargebuhr. Heine hat ihn als einen „treuen, gottgeweihten Minnesänger“ poetisch hochleben lassen, den jüdischen Dichter Salomo Ibn Gabirol, der um das Jahr 1020 in dem (damals maurischen) Malaga geboren wurde und der wahrscheinlich um 1070 in Valencia starb. Die Lebensumstände, die weitgehend im dunkeln liegen, werden von Frederick P. Bargebuhr in seinem voluminösen und gelegentlich ausufernden Kompendium aus den – in Übersetzungen beigesteuerten – Werken abgeleitet und in den geistesgeschichtlichen Kontext.eingebracht. Ähnlich wie die arabischen Dichter, die Form und Inhalt seiner Arbeiten entscheidend mitgeprägt haben, konnte sich auch Ibn Gabirol nur unter der Obhut eines politischen Mäzens Resonanz verschaffen. In seinem Falle waren es zwei jüdische Wesire, die das neuentstandene Königreich Granada hervorbrachte. Schwer zu sagen, wie weit Ibn Gabirol übereinstimmte mit seinen Gönnern, die als Sachwalter moslemischer Herrscher den (keineswegs völlig im Verborgenen entwickelten) Plan hegten, „einen jüdischen Staat im Königreich von Granada zu begründen. Ibn Gabirol schuf sein poetisches Werk auf der Grundlage des Plotinismus. Im Licht neuer Forschungsresultate erweist er sich zunehmend als eine changierende Figur zwischen den Epochen und Kulturen, die in „ökumenischer“ Offenheit schon etwas von Spinozas Denken vorwegnahm. (Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden, 1976; XIV und 785 S., 254,– DM.)

Hans-Jürgen Heise