Es scheint logisch: Spanien hat seine Währung gegenüber der deutschen Mark um rund 20 Prozent abgewertet, der Spanienurlaub wird für deutsche Reisende also um 25 Prozent billiger. Nur – diese Logik ist nicht logisch.

Veranstalter von Spanien-Pauschalreisen winken ab. Unisono sagen sie: „Für die laufende Saison sind keine Preissenkungen möglich; doch Touristen werden beim Aufenthalt weniger Taschengeld brauchen.“ Den Verdacht, daß die Veranstalter den Vorteil der Währungsveränderung in die Tasche stecken, wehren sie wortreich ab, um nur nicht in den Verdacht zu geraten, daß sie zuviel verdienen.

Die Abwertung einer Währung kommt nämlich nie aus heiterem Himmel. Sie ist vorauszusehen. Steigen in einem Land stark die Löhne und Gehälter, heizen diese wiederum die Preise an, die Inflation wird also größer, und diese beeinflußt den Außenwert einer Währung. Da Spanien nach offiziellen Angaben Inflationsraten von 20 bis 25 Prozent jährlich hatte (nach inoffiziellen Schätzungen über 30 Prozent), war die Abwertung der Peseta gegenüber der stabilen Mark vorauszusehen.

So kauften dann auch die Reiseveranstalter bereits Ende letzten Jahres Pesetas als sogenannte Termingelder. Sie vereinbarten mit ihren Banken, zu einem niedrigeren Kurs, als er damals bestand, im Sommer Peseta abzunehmen. Und die Rechnung ging ziemlich genau auf. Sie hätten, wie aus den Gesprächen herauszuhören ist, mit einer Abwertung von 15 Prozent gerechnet.

Diese Spekulation ermöglichte ihnen, für die laufende Sommersaison die Preise relativ stabil zu halten, sie gegenüber dem Vorjahr sogar teilweise zu senken. Mit seinem vernünftigen Verhältnis von Preis und Leistung steht Spanien zusammen mit Italien immer noch an der Spitze. Als Faustregel sagen die Reisefachleute, daß eine Mark in diesen Ländern eine Kaufkraft von 1,30 bis 1,35 habe. Die Peseta-Abwertung wird dafür sorgen, daß dies so bleibt.

Die Abwertung der spanischen Währung beeinflußt die Kalkulation der Veranstalten ohnehin nur zum Teil, je nach der angebotenen Hotelkategorie entfallen 40 bis 60 Prozent der Gesamtkosten auf Übernachtung und Verpflegung, der Rest auf den von den meisten Spanien-Urlaubern bevorzugten Flug. Charterverträge werden aber in Mark oder Dollar abgeschlossen, es gibt also keine Währungsgewinne.

Aber auch bei den Hotelkosten ist der Währungsgewinn nicht so groß, wie er scheint. Schon klagen die spanischen Hoteliers über die Lohnforderungen ihrer Angestellten. Sporadische Streiks in Mallorca zeigten ihnen drastisch, daß sie sich um Lohn- und Gehaltsaufbesserungen bei den gegebenen Preissteigerungsraten nicht drücken können. Da für sie durch die Peseta-Abwertung gleichzeitig der Lebensmittelimport teurer wird (Spanien führt beispielsweise fast den gesamten Fleischbedarf ein), ist ihr Lamento gegenüber den deutschen Veranstaltern zu verstehen. Sie fordern nachträglich höhere Preise – und das wird teilweise auch akzeptiert, weil kein Veranstalter seinen Kunden schlechteren Service oder schlechteres Essen zumuten will,