Den britischen Kollegen Callaghan unterrichtete Helmut Schmidt telephonisch über seine Gespräche in Washington und Ottawa; Giscard d’Estaing traf er anschließend – wie schon vor der Reise verabredet – im Elsaß. In einem Newsweek-lnterview hatte der französische Präsident gegen die Menschenrechts-Kampagne Jimmy Carters so heftig vom Leder gezogen wie Schmidt vor seinem Treffen mit dem Amerikaner. War der Ärger Giscards über Carter noch angezeigt?

Der amerikanische Präsident hat den „großen Freund“ Schmidt mit geradezu atemberaubendem Charme umarmt. Das war gewiß eine kalkulierte Geste, die Schmidt entwaffnete; doch zugleich zeugte sie auch von recht ungezwungenem Respekt für den Kanzler. Die deutsch-(und europäisch-)amerikanischen Beziehungen sind durch die Begegnung vielleicht etwas weniger störungsanfällig geworden, schwierig bleiben sie dennoch.

Immerhin ist der Kanzler jetzt überzeugt, daß Carter die Entspannungspolitik nicht gefährden, bei MBFR und SALT Fortschritte suchen will; und er ist sicher, daß der Präsident seine Tonlage in der Menschenrechts-Frage dämpft. Trotzdem wird sich Schmidt – wie Giscard – mit einer amerikanisch-europäischen Rollenverteilung in der Frage der human rights abfinden und Carter verstehen lernen müssen. Andererseits akzeptiert Washington auch den Bonner Part in der Entspannungspolitik. Ein ähnliches Einverständnis ist in Fragen der Wirtschaftspolitik und des Reaktor-Exports erreicht: Die Interessen, Motive und Bewegungsspielräume werden in gegenseitigem Einvernehmen als unterschiedlich akzeptiert. Die politischen und ökonomischen Claims sind abgesteckt. Carter hat seinen Führungsanspruch in der westlichen Allianz unverblümt deutlich gemacht. Die Herausforderung für Schmidt wird darin liegen, die eigenen Positionen zu behaupten.

War die Washingtoner Begegnung ein Erfolg, gar ein kleines Mirakel oder vielleicht doch nur ein Bluff? Die längerfristige Wirkung des Treffens wird sich leicht ablesen lassen. Schließlich haben sich beide Staatsmänner beim Umgang miteinander Offenheit verordnet; gh